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Beschwichtigungssignale – Kommunikation über Gesten

Die Kommunikation mit dem Hund gehört für viele Halter zu den größten Herausforderung. Wir wissen alle, dass uns Hunde eigentlich ganz genau sagen bzw. zeigen, was Sache ist. Aber wir haben hin und wieder doch unsere Schwierigkeiten damit, die Gesten und Beschwichtigungssignale auch richtig zu deuten. Häufig kommt es dabei zu Missverständnissen zwischen Tier und Mensch und eine Unterwerfung wird als Aufforderung zum Bauchkraulen angesehen. Gut, das was jetzt ein krasses Beispiel, aber auch das ist schon vorgekommen.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist relativ einfach. Wir haben Worte, um uns zu verständigen und wissen auch was es bedeutet, wenn unser Gegenüber die Augenbraue hebt oder die Lippen zusammen kneift. Das ist für uns Menschen eine klare Mimik, wir beherrschen ihre Deutung von Kindesbeinen an und die Signale sind auch klar zu sehen und somit unübersehbar. Und dann tritt ein Hund in unser Leben und wir müssen schnell feststellen, dass hier die Kommunikation ganz anders abläuft und oftmals kleine Signale, die für uns kaum wahrnehmbar sind, genau zeigen, was der Hund ausdrücken möchte. Es ist also schwer, diese Signale zu erkennen und im nächsten Schritt dann auch noch richtig zu deuten – denn je nach Situation kann die Bedeutung auch unterschiedlich ausfallen.

Beschwichtigungssignale regeln das Miteinander unter Hunden

Das Lecken der Schnauze ist ein häufiges BeschwichtigungssignalDie wohl wichtigsten, für uns Menschen aber auch schwersten, Signale, die ein Hund aussendet, sind die Beschwichtigungssignale – auch Calming Signals genannt. Sind wir Menschen in der Lage, diese Gesten zu erkennen und auch richtig zu deuten, sorgt das für ein ganz neues Zusammenleben mit dem Hund, denn Bindung und Kommunikation gehören schließlich immer zusammen. Wir selbst fühlen uns in Gegenwart von anderen Menschen, die uns einfach nicht verstehen können oder wollen schließlich auch unwohl und können nur schwer Vertrauen aufbauen. Unseren Hunden geht es da nicht wirklich anders – wobei man hier aber ganz klar sagen muss, dass unsere Hunde uns da mit einer großen Portion Nachsicht und Toleranz begegnen. Sie lassen uns wirklich verdammt viele Fehler durchgehen, mehr, als wir Menschen es könnten.

Die Beschwichtigungssignale von Hunden wurden erkannt, als man frei lebende Wölfe beobachtete. Man konnte in den Beobachtungen genau sehen, dass sie Konflikte sehr schnell und vor allem wirksam lösen können. Sie sind nicht auf Auseinandersetzungen aus und lenken daher schon sehr früh dagegen, nehmen die Schärfe aus den Situationen heraus. Bei ihnen reicht ein kurzer Blick, eine Bewegung des Kopfes oder ähnliches aus, um schwierige Situationen friedlich ausklingen zu lassen.

Man wusste also schon lange um die Beschwichtigungssignale, hat sie allerdings nicht weiter erforscht. Und man hat sie auch nicht wirklich auf die Hundewelt übertragen. Klar, wir wissen das Hunde und Wölfe sich in ihrem Verhalten sehr ähnlich sind, aber es war einfach lange Zeit kein Thema, diese Beschwichtigungssignale zu erforschen. Das änderte sich allerdings in den 1980er Jahren. Damals machte es sich Turid Rugaas, eine Hunde-Trainerin aus Norwegen, zur Aufgabe, die Calming Signals zu untersuchen. Mit Videos und Dia-Serien beobachtete sie die Gesten der Hunde in verschiedenen Situationen und konnte dabei schnell und eindeutig feststellen: Nicht nur Wölfe lösen ihre Konflikte über kleine Signale, auch Hunde tun das. Und das faszinierende: Jeder Hund scheint diese Signale zu kennen – er kann sie sozusagen von Geburt an aussenden und natürlich auch lesen.

Calming Signals regeln den Alltag des Hundes

Besonders interessant bei der Erforschung der Beschwichtigungssignale war, dass Hunde diese nicht nur gegenüber anderen Hunden angewendet haben, sondern auch gegenüber Menschen und anderen Tieren, die mit im Haushalt leben. Nur leider können weder wir Menschen, noch zum Beispiel Katzen, diese Signale sofort erkennen und lesen. Daher gestaltet sich beispielsweise auch das Zusammenleben von Hunden und Katzen oft schwierig, sie missverstehen sich in ihren Signalen einfach. Auch wir Menschen können das sehr gut – also das Falschdeuten der Signale oder auch die völlige Missachtung.

Beschwichtigungssignale sind mitunter schwer zu erkennenUnsere Hunde sind da aber wirklich wahre Kommunikationstalente und regeln schwierige Situationen schnell und sehr effizient mit ihren Signalen. Und die Hunde reagieren auch auf die Signale anderer Hunde, antworten also sozusagen darauf, um beispielsweise zu sagen: „Hey, ich will keinen Ärger, bin in friedlicher Mission unterwegs!“ So kann eine Hundebegegnung, die in einem Moment schwierig aussah, in der nächsten Sekunde schon vollkommen harmonisch ablaufen. Wir Menschen antworten selten, ganz einfach aus dem Grund, das wir die Signale nicht erkennen oder sie von vorn herein falsch deuten.

Als Beispiel mal eine sehr geläufige Alltagssituation. Wir verlangen von unserem Hund in einer beliebigen Situation, er solle „Sitz“ machen. Der Hund tut es nicht und bei der nächsten Aufforderung liegt schon ein bisschen Schärfe in unserer Stimme. Der Hund setzt sich wieder nicht, dreht aber dazu auch noch den Kopf zur Seite. Wer sich noch nicht mit der Kommunikation von Hunden beschäftigt hat, tut das jetzt oft einfach als Respektlosigkeit oder Sturheit ab. Der Hund widersetzt sich nicht nur der Aufforderung, sondern dreht den Kopf noch weg und schaltet somit für uns Menschen auf „Durchzug“. Die Wahrheit sieht allerdings etwas anders aus. Dass der Hund sich nicht setzen möchte, wird einen Grund haben. Vielleicht ist ihm der Untergrund zu kalt, zu nass oder er sieht in diesem Moment einfach keine Veranlassung dazu. Die wiederholte Aufforderung und die erkennbare Schärfe in der Stimme ist für ihn ein Anzeichen für einen beginnenden Konflikt. Also dreht er den Kopf zur Seite, um die Situation zu bereinigen und uns zu beschwichtigen.

Beschwichtigungssignale erkennen macht das Leben einfacher

Diese Alltagssituation zeigt, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Hund nicht nur schwierig ist, sondern für den Hund auch sehr verstörend sein kann. Denn in oben genannter Situation wird der Hund nicht selten geschimpft oder anderweitig bestraft, weil er nicht gehorcht und angeblich so stur ist. Für den Hund muss das in etwa so aussehen: Von mir wird etwas Unsinniges verlangt, ich zeige deutlich, dass ich das nicht mag. Daraufhin gibt der Mensch aber nicht nach, sondern verlangt es weiter. Ich als gut sozialisierte Hund entschärfe diesen Konflikt natürlich sofort. Aber mein Mensch antwortet mir nicht darauf. Ganz im Gegenteil, er verschärft den Konflikt und bestraft mich jetzt auch noch dafür. Dabei hab ich doch alles richtig gemacht!

Ein ganz schönes Dilemma, in das wir die Hunde da treiben. Und nicht nur das, wir verunsichern sie dadurch extrem und nicht selten schließen Hunde daraus, dass ihre Kommunikation, die ihnen ja in den Genen liegt, vielleicht gar keinen Sinn macht. Somit wird auch die Kommunikation mit anderen Hunden schwieriger und es kann zu Auseinandersetzungen kommen, da die Hunde einfach unsicher in ihren Signalen geworden sind.

Das Thema Beschwichtigungssignale ist allerdings nicht immer so einfach, wie im genannten Beispiel. Man könnte ganze Bücher über die Calming Signals schreiben, denn sie sind vielfältig und je nach Situation können sie auch noch einmal ganz anders gesehen werden. Die Trainerin Turid Rugaas hat darüber übrigens auch ein Buch geschrieben, dass man jedem Hundehalter empfehlen kann. Es sorgt für viele Aha-Momente und auch dafür, dass wir das Verhalten unserer Hunde besser deuten können und somit das Zusammenleben extrem vereinfachen können – ganz einfach dadurch, das wir nun verstehen.

Hast Du Dich schon mit Beschwichtigungssignalen beschäftigt? Und wenn ja, hat sich dadurch etwas an dem Zusammenleben mit Deinem Hund verändert?

Bildcredits: Titelbild von Counselling, Bild1 von MariusMB, Bild2 von GLady

Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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4 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag, jedoch ist dieser wenig produktiv, wenn es sich nur um eine Einleitung handelt. Bitte fügen sie einen Haupt- und Schlussteil noch hinzu. Ein Abstract allein ist wenig informativ und wird Ihrer Überschrift nicht gerecht. Das Thema ist sehr interessant und ich freue mich sehr, mehr von Ihnen zu hören.

    • Hallo Anika, Danke für Dein Feedback. Allerdings würde ich einen Artikel mit über 1000 Wörter würde ich dennoch nicht als Abstract bezeichnen. Natürlich kann man viel mehr zu diesem Thema sagen und Bücher füllen, jedoch sprengt das dann auch den Rahmen eines Online-Magazins. Es ist jedoch, denke ich, ein guter Überblick geworden und wenn der Leser dann Interesse hat, gibt es weiterführende Lektüre in Form von Büchern.
      Gern kann ich Dir da auch noch Lektüre empfehlen – einfach Bescheid geben 🙂

  2. Die Signale unseres Hundes zu verstehen ist die eine Sache, aber wie kann ich als Mensch dem Hund Signale geben, die er versteht.
    Oft würde ich ihm gerne sagen „Hey, alles gut, ich habe alle sunter Kontrolle“, weiß aber nicht so recht, wie.

    • Hallo Sascha, die Signale kannst Du ganz einfach über Deine Körperhaltung geben. Bist Du selbst entspannt, richtest Dich auf und atmest ruhig, erkennt der Hund das ganz genau und weiß, dass alles in Ordnung ist. Wenn Du mit ihm sprichst, kannst Du dann eine tiefe Tonlage wählen und darüber noch zusätzlich Ruhe zeigen. Es braucht wirklich nicht viel unseren Hunden zu zeigen, was wir vermitteln wollen. Sie lesen aus uns wie aus einem offenen Buch.

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