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Der erleuchtete Hund

oder

Man trifft sich immer zweimal

Eine Buchrezension und ein Glaubensbekenntnis

Welcher Hundehalter hat sich noch nicht gefragt, was sein bester Freund so denkt, wenn er im Schatten liegt und in die Gegend blinzelt? Ob der letzte Spaziergang rekapituliert wird? Oder vielleicht macht sich der Hund Gedanken über Gott und die Welt?

Schon komisch, aber irgendwie, wenn man über Hunde philosophiert, taucht das Wort Gott auf. Im Englischen sind ja ´dog´ und ´god´ quasi zwei Seiten einer Medaille. Und obwohl ich, ganz persönlich, leider nicht viel mit ´god´ anfangen kann, so ist ´dog´ für mich durchaus eine spirituelle Angelegenheit.

Meine ´crazy love´-Liebe zu Hunden und auch der Glaube an ihre Fähigkeiten, stand schon immer außer Frage, im Gegensatz zu dem was man eigentlich als spirituell bezeichnet. Mit der Kirche und allem drumherum konnte ich bedauerlicherweise nie warm werden. Aber als Studentin entdeckte ich die Weisheiten des Buddhismus, der mich fortan in seiner ´light´ Form von Buddha-Statuen oder Dalai Lama-Zitaten begleitete. Im letzten Jahr dann, intensivierte sich die Suche nach spirituellen Inhalten und so habe ich offiziell „Zuflucht“ genommen und übe mich nun darin, ordentlich zu meditieren und Bodhicitta, sprich Liebe und Mitgefühl für alle Wesen zu praktizieren. Die Werkzeuge, die der Buddhismus offeriert, sind schlau und effektiv. Die Philosophie dahinter ist tiefgründig und hoch spannend. Insgesamt ein schönes Thema zum Lernen, für die nächsten Jahre…

Vor ein paar Wochen, als ich meine ältere Hündin Neli im Schatten „ihres“ Jasminbusches betrachtete, und mich fragte was sie wohl denke, fühlte ich mich stark an Buddha erinnert. Buddha saß ja, bekanntlich, nichts wollend, nichts denkend, aber im Gewahrsein des Momentes unter „seinem“ Bodhibaum und erlangte Erleuchtung. Wie Neli ganz ruhig, ein bisschen mit den Augen blinzelte, sah ich, dass sie nicht schläfrig war und sie schien dem Gesang der Vögel zu lauschen, sie spürte die kühle Erde und war ganz im Moment. Ob sie wohl meditierte?

Es ist ja oft so, dass sich unsere Wahrnehmung ändert, wenn wir etwas Neues lernen. Lernt man ein neues Fremdwort, so wird einem erst bewusst, wie oft es doch in der Sprache verwendet wird. So habe ich beim wilden Ballspiel mit meinem verrückten Pudel „Locke“ plötzlich erkannt, dass sie mit jeder Faser ihres Körpers auf den Wurf des Balls wartet. So sieht wirkliche Aufmerksamkeit aus! Jede Muskelregung des Werfers wird vom Hund wahrgenommen. Freude über den gegenwärtigen Moment strahlt aus jeder Zelle. Als der Hund dann endlich hinter dem Ball herjagen konnte, wurde mir wiederrum klar, wie echte, ernsthafte Achtsamkeit aussieht – wie ein Hund beim Ballspiel.

„Verdammt!“, dachte ich, „sind Hunde etwa Buddhisten!?“ Diese Idee ließ mich nicht mehr los und ich suchte weitere Beweise für diese Behauptung. Beispiel „Anhaftung“ – Buddha lehrt uns, es mit dem Klammern an Dinge, Situationen und auch Menschen nicht so eng zu nehmen, denn es ist ja alles vergänglich. Genau betrachtet, sind Hunde Meister der Nicht-Anhaftung: das teure Stofftier wird zerkaut, der tolle Stock, den ganzen Spaziergang getragen, wird irgendwann einfach fallen gelassen. Der gerade noch vehement verteidigte Ball wird einfach übergeben.

Bei der weiteren Recherche, beim Googeln des Begriffs „buddhistischer Hund“ stieß ich auf das Buch „Der Buddha auf vier Pfoten“ von Dirk Grosser. Dieses Buch hatte ich vor ein paar Monaten schon mal flüchtig im Netz gesehen, es aber nicht weiter beachtet, da mir der Comic auf dem Cover suggerierte, es sei irgendwie nicht seriös genug. Bei der aktuellen Betrachtung dann, kam mir der Spruch in den Kopf „man trifft sich immer zweimal“ – das Buch habe ich mir umgehend bestellt. Wie gut, dass dieses kostbare Buch mir eine zweite Chance gegeben hat. Ich hatte den Fehler gemacht und das Buch nach seinem Titelbild bewertet.

Nun sind die Comics, die den Titel und auch ein paar Innenseiten schmücken, echt charmant, aber für meinen Geschmack hätte ich auch ohne diese auskommen können. Die Sprache von Dirk Grosser ist so bildreich, weise, rasant und humorvoll, da haben es Illustrationen einfach schwer.

Jedenfalls war und bin ich so dankbar, dass man sich immer zweimal trifft und somit die Biografie des Hundes und Zen-Meisters Bobba bei mir gelandet ist. Das Buch an sich hat ein handliches Format, das Hardcover ist wirklich das, ein stabiler Umschlag, der sich durch eine feine Leinentextur gut und sehr wertig anfühlt. Die Herausgabe aus dem Kailash-Verlag, der auf Lebenshilfe Bücher spezialisiert und Bestandteil der Random House Verlagsgruppe ist, ist auch inhaltlich von feinster Qualität.

Man merkt, dass Dirk Grosser sich ernsthaft mit Buddhismus auskennt und auch selbst aus einer Meisterposition heraus spricht. So stellt er sich, als wahrer Meister, natürlich nicht dar, sondern zeigt sich als dummer Schüler seines weisen Hundes. Bei einer solchen Konstellation ist die Komik vorprogrammiert und ich habe nicht selten bei dieser sympathischen Lektüre herzhaft gelacht. Aber bei Sympathie und Humor bleibt es nicht: kurzweilig führt uns der Autor an echte, profunde Erkenntnisse heran. „Abhängiges Entstehen“ –  die buddhistische Auffassung, das alles irgendwie zusammen hängt, habe ich durch das Kapitel „Kein Anfang, kein Ende“ tatsächlich verstanden.

Selbst an die Erleuchtung – DAS Thema im Buddhismus – wagt sich Grosser heran. Das allerdings auf seine Art:

…was soll das überhaupt sein, Erleuchtung? Hätte ich Bobba gefragt, hätte er sich wohl auf den Rücken geschmissen, mir ein unverschämtes Kuck mal, da sind meine Eier! zugerufen und sich kaputtgelacht.

An dieser Stelle folgt eine direkte Konversation mit the Buddha himself, die dann in einer einleuchtenden, wenn nicht erleuchtenden Beschreibung der Erleuchtung endet. Damit nicht genug, wahrhaftig bewusstseinserweiternd wird es dann im schlichtweg genialen Kapitel „Teddy Ohnekopf weist über Zen hinaus“. Aber das sollten Sie selber lesen.

Der Buddha auf vier Pfoten“ ist die perfekte Lektüre für Hundemenschen, die etwas über die heute so in Mode gekommene Achtsamkeit lernen wollen, aber auch für spirituelle Menschen, die vielleicht auf den Hund kommen wollen. Zusätzlich werden echte Inhalte des Buddhismus vermittelt. Aber zuerst ist es eine bewegende Geschichte einer tiefen, tiefen Freundschaft eines Mannes zu seinem Hund. Eine Liebesgeschichte mit buddhistischer Weisheit und tiefgründigem Humor erzählt.

Natürlich ist „Der Buddha auf vier Pfoten“ die totale Bestätigung meiner These, dass Hunde Buddhisten sind. Zumindest können wir Hundemenschen uns bestimmt darauf einigen, dass Hunde erleuchtete Wesen sind, wenn wir uns die Zeit nehmen, sie genau zu betrachten und sie achtsam wahrzunehmen.

Über Pedi Matthies

Pedi Matthies
Pedi schreibt über ihr Angebot "Produkte für Menschen, die sich Gedanken darüber machen was sie kaufen und für Hunde, die ihren Menschen aktiv und artgerecht begleiten." Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Neben den Produkten selbst, gibt es in ihrem Blog immer herrlich lockere und sich von der Masse abhebende Texte zu lesen!

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