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Hunde artgerecht auslasten?

Hunde artgerecht auslasten – das hört und liest man seit einigen Jahren an jeder Ecke. Nachdem der Hund völlig in die Familie integriert ist und nicht mehr einfach nur einen „Job“ machen muss, machen sich immer mehr Trainer und Hundehalter Gedanken darüber, wie man den Hund beschäftigen kann. Das einfache Spaziergänge zwar schön, jedoch nicht unbedingt rundum erfüllend für einen Hund sind, haben viele schon erfahren dürfen. Der gelangweilte Hund, der sich von ein bisschen Bewegung nicht beeindrucken lässt, zeigt dann oftmals Verhaltensweisen, die Anlass zur Sorge geben.

Es muss also mehr getan werden, um den Hund zu beschäftigen. Und diese Beschäftigung muss natürlich artgerecht sein, genau auf die Rasse abgestimmt usw. Kurse in Hundeschulen sind daher schnell ausgebucht und beim Hundesport streben Hundebesitzer nach immer besseren Ergebnissen, weil genau dieser Sport natürlich den Bedürfnissen der Hunderasse entspricht und somit für eine artgerechte Auslastung sorgt. Aber ist das alles wirklich so schön und einfach, wie wir uns das vorstellen?

Hunde artgerecht auslasten heißt….?

Hunde artgerecht auslasten in der HundeschuleGut, wir wissen alle, das Hunde mehr als nur Spaziergänge brauchen. Sie brauchen Beschäftigung, die ihren Anlagen entspricht. Aber was genau heißt denn nun artgerechte Beschäftigung? Muss ich nun Hasen jagen gehen, nur weil ich einen Jagdhund zu Hause habe und er seiner Bestimmung nachgehen sollte? Oder brauche ich zukünftig ein paar Schafe im Garten, damit mein Aussie seinem Bedürfnis, Herden zu schützen, nachgehen kann? Gut, das mag jetzt etwas überspitzt klingen, aber den Kern der Sache trifft es recht gut.

Die meisten Hunderassen wurden aus einem ganz bestimmten Grund gezüchtet. Sie hatten über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg Aufgaben zu erfüllen und genau auf diese Jobs war die ganze Züchtung ausgerichtet. Im Laufe der Zeit wurden bestimmte Verhaltensweisen wiederum durch die Züchtung vielleicht etwas abgemildert, aber die eigentliche Veranlagung zu bestimmten Aufgaben ist immer da. Und darüber sollte man sich auch bewusst sein, wenn man sich einen Hund einer bestimmten Rasse anschafft. Einen Weimaraner beispielsweise ständig an der Leine zu führen, damit er seinem Jagdtrieb nicht nachgeht, und ihm als Ausgleich einmal die Woche Agility anzubieten, wird nicht funktionieren. Das macht den Hund nicht glücklich und ist nicht artgerecht.

Wenn es also darum geht, eine Beschäftigung für den Hund (und somit auch für den Mensch) zu finden, sollte in erster Linie darauf geschaut werden, wie die Veranlagung des Hundes aussieht. Ein Windhund wird an sportlichen Aktivitäten mehr Spaß finden, als an Mantrailing und ein Retriever wird viel Spaß am Apportieren finden, vielleicht aber eher nicht am Longieren. Natürlich bestätigen Ausnahmen hier immer die Regel, aber im Großen und Ganzen kann man anhand der Rasse eines Hundes schon ganz gut sehen, in welche Richtung die Beschäftigung gehen sollte, damit sie artgerecht ist.

Hunde artgerecht auslasten heißt, ihre Vorlieben zu erkennenAber nicht alle Eigenschaften, die einer Rasse nachgesagt werden, müssen auf einen Hund zutreffen – und gerade bei Mischlingen kann es hier zu extremen Abweichungen kommen. Wir haben das auch selbst erlebt: Spanieln sagt man nach, dass sie das Wasser lieben. Wir haben einen Cavalier King Charles Spaniel, der Wasser zwar auch liebt, jedoch nur dann, wenn es gefroren in Form von Schnee auftaucht oder aber wohltemperiert in der Badewanne für ihn bereit steht. Alles andere ist nicht wirklich seins. Aktivitäten im Wasser wären also keine sinnvolle Beschäftigung für ihn.

Dafür ist er ein absoluter Nasenhund (etwas, was den Spanieln ja auch nachgesagt wird). Ob Leckerlis erschnüffeln, Fährten gehen oder auch Mantrailing (beides zum Spaß) – mit solchen Aktivitäten können wir unseren Hund glücklich machen. Hunde artgerecht auslasten heißt also vor allem, den eigenen Hund zu beobachten, heraus zu finden, woran er Spaß hat und wo er Talent zeigt. Diese Eigenschaften vergleicht man dann mit dem, was im Bereich Hunde-Sport bzw. Hunde-Beschäftigung möglich ist und bietet es dann dem Hund an.

Hunde artgerecht auslasten, ohne sie zu überfordern

Ist die richtige Beschäftigung für den Hund gefunden, stellt sich die nächste Frage: Wie oft und wie lange sollten wir dieser Beschäftigung nachgehen? Was ist artgerecht und was ist eine Überforderung? Diese Frage ist wichtig, denn zu viel mit dem Hund zu tun ist ebenso schlecht, wie zu wenig mit ihm zu machen. Wie so oft gilt es, die goldene Mitte zu finden. Und auch hier gilt es wieder, den Hund genau zu beobachten, denn es gibt keine Tabelle, die uns sagt: Ein Retriever, 4 Jahre alt, sollte pro Tag oder Woche X Stunden mit Dummy-Arbeit beschäftigt werden.

Wie lange ein Hund artgerecht beschäftigt werden sollte, hängte immer von dem einzelnen Tier ab. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass gerade im sportlich/spielerischem Bereich die Grenze zwischen Spaß und Sucht sehr schmal ist. Hast Du schon einmal einen Hund gesehen, der total ausrastet und kaum noch zu halten ist, wenn er nur einen Ball sieht? Das ist dann ein klassischer Ball-Junkie, bei dem das Ballspielen definitiv übertrieben wurde. Ähnlich kann es Hunden auch beim Agility gehen oder bei anderen Beschäftigungen.

Hunde artgerecht auslasten, ohne sie zu überfordern?Ein weiterer Faktor ist natürlich die Gesundheit und Fitness des Hundes. Nicht jeder Hund, der gerne läuft, kann 20 km am Fahrrad laufen, bei einigen reichen auch 5 km vollkommen aus. Und wenn Dein Hund auf Nasenarbeit steht, höre auf, wenn es am schönsten ist. Arbeit dieser Art ist sehr anstrengend für den Hund und sollte daher auch nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Unser Hund beispielsweise war nach zwei eher kurzen Trails (500 bis 800 m) beim Mantrailing müder als nach zwei Stunden Spaziergang.

Hunde artgerecht auslasten soll vor allem Spaß machen

Hört man Hundetrainer und -experten über die artgerechte Auslastung sprechen, wird das meist als sehr ernstes Thema dargestellt, bei dem jede Menge Wissen über Abstammung, Zucht usw. benötigt wird. Natürlich ist es ein wichtiges Thema und Grundwissen über Deinen Hund und seine Rasse solltest Du natürlich auch besitzen – aber das allein ist nicht ausschlaggebend für eine artgerechte Auslastung. Viel wichtiger ist es, dass Du Deinen Hund kennst, ihn beobachtest und ihm bei dem, was ihm Spaß macht, im richtigen Maße forderst und förderst.

Spaß ist übrigens ein wichtiges Stichwort, denn bierernst musst Du nicht wirklich an die Auslastung heran gehen. Wenn Dein Hund nicht als Jagdhund, Wachhund oder was auch immer ausgebildet werden soll, dann sieh die Beschäftigung oder den Sport einfach als nettes Hobby an, bei dem Du die Bindung zu Deinem Hund stärken kannst, indem ihr beide gemeinsam eine tolle Zeit miteinander habt. Dann ist die Auslastung auch artgerecht!

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Bildcredits: Titelbild von Alexas_Fotos, Bild1 von 825545, Bild2 von Counselling, Bild3 von pohjakroon

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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2 Kommentare

  1. Super Beitrag!… Und vor allem, ja Beschäftigung mit dem Hund sorgt für Bindung, das wird häufig vergessen. Du hast die Aspekte toll auf den Punkt gebracht. Jeder meiner Setter war/ist in puncto Beschäftigung komplett anders veranlagt gewesen. Der Blick auf den Hund als Individuum ist unglaublich wichtig!!
    LG Danni

    • Danke! Ja, die Auslastung ist wirklich ein sehr vielschichtiges Thema, welches oftmals zu wenig Beachtung findet. Wir haben bei unserem Kleinen „leidvoll“ erfahren dürfen, wie wichtig die richtige Beschäftigung zur richtigen Zeit ist. Dauert halt immer ein wenig, bis man das für den Hund alles richtig erkennt. Wie gut, dass unsere Vierbeiner uns unsere Fehler immer sofort vergeben

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