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Hunde in der Schule – Hundgestützte Pädagogik

Ein Hund am Lehrerpult? Das hätten sich wohl viele von uns in ihrer Schulzeit gewünscht. Für immer mehr Kinder wird dieser Wunsch Wirklichkeit, denn die so genannte hundgestützte Pädagogik wird – aus gutem Grund – immer beliebter. Wenn die Hunde in der Schule sind, ist die Lernatmosphäre entspannter und somit auch besser. Davon profitieren die Schüler ungemein und auch Hunde haben Spaß daran, auf diese Weise die Schulbank zu drücken.

Während die Kinder der zweiten Klasse einer Grundschule selbständig ein Arbeitsblatt bearbeiten, dass ihre Lehrerin ihnen zur Aufgabe gegeben hat, liegt Nora, eine 6-jährige Golden Retriever Hündin entspannt in ihrem Körbchen neben dem Lehrertisch. Sie döst vor sich hin, öffnet hier und da die Augen und beobachtet ihre kleinen Freunde, die konzentriert arbeiten. Die Kinder sind wirklich mit Eifer bei ihrer Aufgabe. Immer wieder kann man sehen, wie sie über mögliche Antworten nachdenken und ihr Blick dabei fast automatisch zum Hund wandert. Ist der Gedankenblitz dann da, widmen sie sich wieder konzentriert den Aufgaben. Etwas später dürfen die Kinder den Hund streicheln, als Belohnung für die Lösung ihrer Aufgaben. Und das lässt sich Nora nur zu gern gefallen.

Nora drückt die Schulbank

Hunde in der Schule sorgen für mehr KonzentrationNora ist ein ausgebildeter Hund und geht gemeinsam mit ihrem Frauchen, einer Lehrerin, an zwei bis drei Tagen mit in den Unterricht. Noras Frauchen hatte sich weiter gebildet und im Arbeitskreis Schulhund gelernt, wie ein Unterricht mit Hund aussehen kann und sollte. Nach Abschluss der Fortbildung brachte sie den Vorschlag in der Schule ein und traf dabei zum Glück ausschließlich auf Unterstützung. „Einige Eltern waren erst unsicher, ob ein Hund in der Schule wirklich hilfreich ist. Sie fürchteten, dass die Kinder dadurch abgelenkt werden könnten“, fasst Noras Frauchen die anfänglichen Bedenken zusammen.

Doch diese Bedenken waren schnell aus der Welt. Natürlich, an den ersten Tagen waren die Kinder sehr aufgeregt, hätten am liebsten ständig mit dem Hund gespielt oder geschmust. Aber sie lernten auch schnell, das Nora zwischendurch Ruhe benötigt und nicht zur Unterhaltung da ist, sondern um das Lernen angenehmer zu machen. Schnell wurde der Hund im Unterricht ganz normal und alle stellten fest: Die Konzentration der Kinder stieg an, wenn Nora anwesend war. Allein ihr Dasein sorgte dafür, dass die Kinder ruhiger wurden. Zankereien, herum zappeln und andere Dinge, die den Unterricht störten, verschwanden fast ganz. Denn Nora zog in solchen Fällen frühzeitig die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich und lenkt sie damit ab, erstickt einen Streit schon im Keim.

Hunde in der Schule fördern Sozialkompetenz

Neben der beruhigenden Wirkung, die ein Hund auf die Schüler hat, gibt es gleich noch einen anderen positiven Nebeneffekt, den Hunde in der Schule mit sich bringen: Die Kinder lernen den richtigen Umgang mit einem Hund. Sie lernen, dass sie Hunde nicht einfach ständig und ohne Kontrolle anfassen dürfen. Sie lernen, wie der Hund kommuniziert und wie sie seine Körpersprache deuten können. Und sie lernen, ihre Umgebung sauber zu halten, denn ein weg geworfener Kaugummi, der von einem Hund aufgenommen wird, kann für diesen Bauchweh oder Durchfall bedeuten. Das möchten die Kinder ihrem vierbeinigen Freund nicht antun und so wird automatisch darauf geachtet, dass der Müll auch im Müllkorb landet und nicht auf der Straße.

Hunde in der Schule fördern KinderAlina, 8 Jahre alt, hatte immer Angst vor Hunden. Als Nora das erste Mal mit in den Unterricht kam, konnte sie die Begeisterung ihrer Mitschüler nicht verstehen. Ängstlich zog sie sich zurück, versuchte dem Hund aus dem Weg zu gehen. Nora spürte ihre Unsicherheit und respektierte diese. Immer wieder ging sie an Alina vorbei, immer geringer wurde der Abstand und als Alina über ihrem Schulbuch gebeugt da saß, stupste Nora sie einfach mal kurz an. So gewann der Hund nach und nach das Vertrauen des ängstlichen Mädchens und schon nach einigen Wochen waren sie die besten Freunde. Mit der Freundschaft wuchs auch Alinas Fähigkeit beim Lesen. Lange hatte sie sich nicht getraut, vor ihren Mitschülern laut zu lesen und sie stammelte dabei. War Nora jedoch an ihrer Seite, entspannte sich Alina schnell und machte tolle Fortschritte.

Hundgestützte Pädagogik ist kein Luftschloss

Mit diesen Erfolgen ließen sich auch skeptische Eltern schnell überzeugen und sind inzwischen sehr froh, dass ihre Kinder die Möglichkeit haben, in eine solch moderne Schule zu gehen. Eine Schule, die erkannt hat, dass die hundgestützte Pädagogik kein Luftschloss ist, sondern solch frische Ideen fördert. Den Kindern wird somit die Chance gegeben, neben dem Lehrstoff auch so wichtige Dinge wie Respekt, Toleranz und Ordnung zu lernen – und das sogar spielerisch und ganz selbstverständlich.

Derzeit sind Hunde in der Schule noch eher die Ausnahme, aber viele arbeiten daran, das zu ändern. Es gibt Interessenverbände und in Österreich wurde sogar schon 2012 ein Leitfaden „Hunde in der Schule“ vom Unterrichtsministeriums heraus gegeben, der festlegt, wie der Einsatz von vierbeinigen Unterrichtsbegleitern aussehen kann und soll. Der Leitfaden führt wissenschaftlich belegte Vorteile von hundgetützter Pädagogik auf, gibt praktische Tipps für den Einsatz, behandelt aber auch Themen wie Überforderung des Hundes und mehr.

Auch Hunde in der Schule brauchen Pausen

Hunde in der Schule brauchen auch mal PauseWenn es nach Noras kleinen Freunden gehen würde, würde sie täglich und während des gesamten Unterrichts mit dabei sein. Aber das wäre selbst für den ausgeglichenen, trainierten Hund zu viel Stress. So hat Nora mit ihrem Frauchen einen eigenen kleinen Raum in der Schule, in dem sie sich vom Unterricht und ihrem Einsatz darin erholen kann. Dort hat nur ihr Frauchen Zutritt und Nora weiß, dass Ruhe und Entspannung herrscht, sobald sie den Raum betritt. Auch ist sie nicht jeden Tag mit in der Schule, sondern darf zwischendurch faulenzen oder bei ihrer Oma, der Mutter vom Frauchen, im Garten spielen und einfach Hund sein.

Dieser Ausgleich ist wichtig, denn auch ein Hund, der speziell für die Unterrichtsbegleitung ausgebildet ist, braucht seinen Freiraum. Nur wenn es dem Hund gut geht und bei der »Arbeit« darauf geachtet wird, das alles artgerecht abläuft, kann solch ein Experiment zu einem vollen Erfolg werden. Ist der Hund überfordert, wird er schnell unruhig und nervös, überträgt das auf die Kinder und der gewollte Effekt wandelt sich ins Gegenteil.

Wie findest Du es, wenn Hunde mit im Unterricht sein? Begrüßt Du diese Intiative von einigen Schulen und Lehrern oder stehst Du dem eher kritisch gegenüber? Deine Meinung interessiert uns!

Der Schulhund: Eine Praxisanleitung zur hundegestützten Pädagogik im Klassenzimmer.(*)
  • Meike Heyer, Nora Kloke
  • Herausgeber: Kynos
  • Auflage Nr. 22013 (24.04.2013)
  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

Letzte Aktualisierung am 19.11.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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Ein Kommtentar

  1. Ich finde – wie ich es gerade auch schon bei Facebook geschrieben habe – hundegestützte Pädagogik sehr sinnvoll. Schüchterne oder sehr stille Kinder, wie ich es gewesen bin, die sich mit Tieren eventuell besser verstehen bzw. wohler fühlen als mit anderen Menschen, könnten durch die Anwesenheit eines Hundes mehr aus sich heraus kommen, denke ich.

    Was ich auch sehr wichtig finde ist, dass Kinder keine Angst vor Hunden haben sollten – eben weil die meisten Hunde vollkommen ungefährlich sind. Viele Eltern reagieren jedoch, als stünde eine Bestie vor ihnen, die ihr Kind umbringen möchte, wenn ihnen ein Hund entgegen kommt – und das selbst bei meiner kleinen Chaosqueen, die schwanzwedelnd und quasi grinsend vor jedem Menschen steht. Ein Hund in der Klasse, also relativ weit weg vom elterlichen Einfluss, kann Kindern zeigen, dass (die meisten) Hunde ungefährlich sind und außerdem vermitteln, wie man einem Hund richtig begegnet – denn an diesem Wissen mangelt es bei sehr vielen Kindern auch.

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