Hunde verstehen uns wirklich - wissenschaftlich bewiesen!
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Forschung: Hunde verstehen uns wirklich!

Als Hundehalter lässt man sich bei diesem Thema eigentlich auf keine Diskussion ein: Unsere Hunde verstehen uns – das ist für uns eine ganz klare Sache. Dazu braucht es weder Experten, die darüber philosophieren noch wissenschaftliche Studien. Denn wir merken es schließlich tagtäglich im Umgang mit unseren Vierbeinern. Obwohl es da noch einen Unterschied zwischen Verstehen und Hörenwollen gibt, aber das ist ein ganz anderes Thema 😉

Ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal mit Hundeliteratur in Berührung kam. Als klar war, das ein Hund bei uns einzieht, musste ich als Wissens-Junkie natürlich gleich alles verschlingen, was ich zum Thema fand. Und das war ebenso viel, wie es auch verwirrend war. Ziemlich oft las ich, dass Hunde nicht in der Lage sind, Sprache an sich zu verstehen und zu deuten. Es hieß oft, sie reagieren ausschließlich auf den Tonfall und die Betonung und nehmen dann noch die Gestik und Mimik hinzu, um auf Worte zu reagieren. Naiv, wie ich damals war, glaubte ich das natürlich.

Unser kleiner Teufel bewies mir allerdings immer wieder das Gegenteil. Er schien teilweise doch ganz genau zu verstehen, was ich da sagte. Auch dann, wenn (wie so oft) mehr als ein Wort über meine Lippen kam. Aufgrund meiner vorherigen Lektüre tat ich es oft als Einbildung von mir ab, aber ein kleiner Zweifel blieb dann doch. Zum Glück gab es dann die Experten und wissenschaftlichen Studien, die meine Zweifel begründeten und mir klar machten: Mein Hund versteht mich!

Hunde verstehen mehr, als wir oft denken

In vielen Hunde-Ratgebern lernt man, dass Hunde Sprache nicht wirklich differenzieren, sondern eher auf die Tonlage reagieren. So, wie wir gewisse Dinge aussprechen, würde sich also die Bedeutung für den Hund offenbaren. Um das besonders einfach für die Vierbeiner zu machen, sollte man daher für Kommandos möglichst einsilbige Worte wählen, denn sie lassen wenig Raum für Fehlinterpretationen.

Hunde verstehen auch Worte und ihre BedeutungZum Glück ist das nicht so, denn das würde viele Hundebesitzer doch an ihrer geistigen Gesundheit zweifeln lassen (so wie es auch bei mir der Fall war). Unser Devil konnte beispielsweise von Anfang an nichts mit dem Kommando „Platz“ anfangen. Wir bauten es auf, wie jedes andere Kommando auch. Er ignorierte es geflissentlich, mochte es anscheinend einfach nicht. Sagte ich jedoch „Leg dich hin“, ließ er sich meist wenig elegant nieder und legte den Kopf auf den Pfötchen ab. Wie war das also mit den einsilbigen Kommandos?

Gut das ist jetzt nur ein Beispiel und es kann Zufall sein, aber im Gespräch mit vielen anderen Hundehaltern habe ich erfahren, dass auch sie sich ganz sicher sind: Hunde verstehen unsere Sprache. Und sogar viel besser, als wir es uns vorstellen können. Natürlich spielen Betonung, Tonfall etc. eine Rolle dabei, aber auch die Worte an sich stoßen nicht auf Unverständnis.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Aber genug von den Erfahrungen und Annahmen – jetzt widmen wir uns den Experten und der Wissenschaft. Die haben in den letzten Jahren nämlich so einiges über unsere lieben Vierbeiner festgestellt und auf vielen Gebieten zeigt sich: Der Hund wurde bisher grandios unterschätzt. Einige gehen sogar soweit und sagen: Der Hund ist das einzige Lebenwesen, dass in der Lage ist, Menschen zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren.

Zu dieser Ansicht gelangte ein wissenschaftliches Team am Max-Planck-Institut, welches die kognitiven Fähigkeiten von Menschenaffen und Hunden untersuchten. Sie haben heraus gefunden, dass nicht nur Menschen ein Bewusstsein haben und auch die Fähigkeit, selbständig zu denken und Absichten und Wünsche anderer zu erkennen. Nein, auch unsere Hunde verfügen über diese Fähigkeiten. Und damit haben sie auch den Menschenaffen, die uns ja bekanntlich sehr ähnlich sind, einiges voraus. Als eine mögliche Ursache wird dabei die Tatsache genannt, dass der Hund sich über Jahrtausende des Zusammenlebens mit Menschen an sie angepasst hat und somit kognitive Fähigkeiten entwickelte.

Hunde verstehen Sprache und verarbeiten sie in beiden GehirnhälftenIn den oben genannten Studien ging es zum großen Teil um Gesten, die vom Hund überraschend präzise gedeutet wurden. Mit dem sprachlichen Verständnis von Hunden hat man sich allerdings auch beschäftigt – und zwar in der University of Sussex. Dort spielten Victoria Ratcliffe und David Reby jeweils 25 Hunden auf beiden Ohren gleichzeitig Laute vor. Dabei wurden einzelne Bestandteile der Sprache besonders stark betont. Um zu sehen, mit welcher Hirnhälfte Hunde die das Gesagte aufnahmen und verarbeiteten, beobachtete man genau, zu welcher Richtung der Hund bei den Worten den Kopf drehte.

Dabei ist interessant zu wissen: Schaut ein Hund beim Hören eines Wortes nach Links, findet die Verarbeitung in der rechten Gehirnhälfte statt – und umgekehrt. Im Experiment nahmen die Forscher beispielsweise den Ausdruck „come on then“ und betonden die bedeutungstragenden Bestandteile. Ganze 80 Prozent der Hunde neigten daraufhin den Kopf nach rechts. Also konnten die Forscher daraus schließen, dass bedeutungstragende Bestandteile der Sprache in der linken Gehirnhälfte verarbeitet werden. Wurde jedoch mehr Emotion in die Stimme gebracht, wendeten die meisten Hunde den Kopf nach links – die rechte Hirnhälfte verabeitet also emotionale Sprachbestandteile. Hört sich sehr trocken und theoretisch an, beweist allerdings, dass beim Hund (genau wie beim Menschen auch), Sprache in beiden Gehirnhälften verarbeitet wird.

Aber verstehen uns Hunde wirklich?

Ja, die beiden hier genannten Forschungen basieren auf Gesten, Tonalität usw. Das beweist natürlich nicht, dass ein Hund uns versteht. Aber es beweist, dass Hunde die Sprache sehr vielschichtig wahrnehmen und somit mehr können, als ihnen lange zugetraut wurde. Überrascht waren beispielsweise auch Forscher im Max-Planck-Institut, die mit Border Collie Rico von Susanne Baus arbeiteten. Der Hund trat schon öfter im Fernsehen auf und überraschte dort das Publikum beispielsweise mit der Fähigkeit, gut 250 verschiedene Spielzeuge unterscheiden zu können.

Hunde verstehen sogar Worte, die sie noch gar nicht kennenIm Max-Planck-Institut fand man dann heraus: Rico versteht sogar Begriffe, die er vorher noch nicht gehört hatte und reagierte entsprechend auf sie. So versteckten die Forscher in einem Berg von Spielzeug einen Rotkohl und forderten Rico auf, eben diesen zu finden. Rico kannte das Wort nicht und wusste auch nicht, was ein Rotkohl ist. Trotzdem fand er ihn. Dabei arbeitete er anscheinend nach dem Ausschlussverfahren: Seine Spielzeuge kannte er alle mit Namen, den Kohl allerdings nicht – also musste es wohl richtig sein, wenn er ihn anzeigte. Und nicht nur das: Rico merkte sich das Wort auch und setzte es auch später wieder richtig ein. Damit war für die Wissenschaftler klar: Hunde merken sich nicht nur viel und lernen extrem gut und schnell, sondern sie können wirklich verstehen, was wir sagen!

Was meinst Du: Versteht Dein Hund Dich? Woran machst Du das fest? Schreib uns Deine Meinung in den Kommentaren.

Körpersprache von Hund und Mensch: Mimik, Körperhaltung, Bewegung (Praxiswissen Hund)(*)
  • Johanna Esser
  • Herausgeber: Franckh Kosmos Verlag
  • Auflage Nr. 1 (11.02.2016)
  • Taschenbuch: 112 Seiten

Letzte Aktualisierung am 21.10.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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8 Kommentare

  1. Ich habe zwei Pudel und ich unterhalte mich jeden Tag mit Ihnen und ich erzähle ihnen ja nicht jeden Tag das selbe aber egal was ich ihnen sage oder auftrage egal ob sie es schon mehrmals gehört haben oder nicht sie tun es oder geben mir durch ihre Körperhaltung zu verstehen das sie mich verstanden haben.
    Außerdem sind Hunde viel bessere Zuhörer und ehrlicher wie manch ein Mensch ich wollte die zwei nicht mehr missen.
    Hatte vorher einen Yorky der hat mich nach dem Tod meines Mannes so gut getröstet leider ist er auch über die Regenbogenbrücke gegange.
    Ich finde Menschen die ohne Hunde leben sehr sehr arm.

    • Wir sind auch immer wieder erstaunt, wie viel unser Kleiner augenscheinlich versteht. Klar, viele sagen, es ist Zufall oder man interpretiert zu viel hinein – aber wir Hundebesitzer wissen ja doch, was wir tagtäglich erleben. Schön, dass Deine Pudel so ein offenes Ohr für Dich haben.

  2. Als simples Beispiel kann ich nur das „rausgehen“ nehmen. Klar wenn ich sage „sollen wir raus gehen, Pippi machen?“ steht unsere süße an der Tür. Allerdings wenn ich mit meinem Mann am Kaffeetisch darüber unterhalte, dass ich jetzt noch mal ins Bad gehe und wir dann los gehen ist sie genau so startklar. Ohne das die Worte ‚raus‘ und ‚Pippi‘ gefallen sind und natürlich auch nichts extra betont wurde.
    Da soll noch einer sagen das wäre Einbildung….

    • Ja, da lassen sich wirklich viele Beispiele im Alltag finden. Wir sind auch immer wieder erstaunt, auf was unser Kleiner alles reagiert, obwohl es nicht zu seinen gewohnten Begriffen gehört

  3. Hallo, ich kann dem nur zustimmen. Unser kleiner Prinz (ein Bolonka zwetna – Rüde 2,5 Jahre ) hört auf den Namen Carlos. Seit er bei uns eingezogen ist, sprechen wir mit ihm. Natürlich texten wir ihn nicht zu, aber wir bringen zum Ausdruck, wenn er uns erfreut oder auch mal „nervt “ 😀
    Carlos liebt meine Hausschuhe. Vom ersten Tag bei uns legt er sich auf die Schuhe, wenn ich es mir auf der Couch gemütlich mache. Wenn ich abends zu ihm sage, jetzt gehen wir ins Bett, steht er auf, schaut mich an und nimmt den Schuh ins Maul und schreitet majestätisch damit in den Flur in sein Schlafhaus. Das macht er jeden Abend so.
    Wenn er gelegentlich einen Markknochen bekommt, darf er damit nicht ins Wohnzimmer. Versucht er es dennoch und peilt die Couch an, brauch ich nur sagen : „Geh mit dem Knochen auf die Decke.“ Er tut es. 😊 Das Wort Knochen kennt er nicht.
    Dies sind nur 2 Beispiele. Es ließen sich noch viele andere hinzufügen.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere 4 beinigen Lieblinge uns verstehen. 👍💕

  4. Meine Tochter und ich saßen am Küchentisch und unsere Hündin lag daneben. Meine Tochter fragte mich, was ich an dem Tag vorhabe. Ich erzählte ihr, dass ich mit unserem Hund zum Impfen zum Tierarzt gehe. Wie gesagt, ich habe meine Hündin nicht direkt angesprochen, sondern saß abgewandt mit dem Rücken zu ihr. Direkt nachdem ich diesen Satz zu meiner Tochter gesagt hatte, stand meine Hündin auf, sah mich an und verschwand unter der Eckbank wohlwissend, dass wir sie darunter schlecht wieder hervor holen können. Und dort blieb sie und ließ sich nicht mehr hervor locken.
    Ich finde es erstaunlich, dass allein das Wort Tierarzt eine solche Reaktion bewirkt. Das bedeutet doch, dass im Gehirn Verknüpfungen stattfinden und mit bereits gemachten Erfahrungen assoziiert werden. Das ist die Grundlage von Erkenntnisfähigkeit. Die Folge dieser Erkenntnis ist die Handlung. In diesem Fall das Verstecken. Und das kann gleich gesetzt werden mit der Fähigkeit zum Beurteilen. Tierarzt= Schmerz. Der Wunsch, Schmerz zu vermeiden ist allen Lebewesen gegeben. Für mich ist das ein Zeichen, dass Hunde durchaus sehr viel mehr verstehen als bislang angenommen.
    Da Hunde vor dem Gesetz immer noch als „Sache“ angesehen werden stellt sich die Frage, wann endlich eine Änderung vorgenommen wird.

    • Das ist wirklich ein super schönes Beispiel – ganz ähnlich haben wir auch schon einige Situationen erlebt. Hier in Österreich ist der Hund rein rechtlich zwar keine Sache mehr, aber es ist noch ein langer Weg hin zu tierfreundlichen Gesetzen

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