Hundeschule? Ja, aber dann die richtige! - dogeridoo
Home / Allgemeine Hunde Themen / Hundeschule? Ja, aber dann die richtige!

Hundeschule? Ja, aber dann die richtige!

„Ein Hund gehört unbedingt in die Hundeschule, damit er alles lernt, was im Alltag wichtig ist.“ Diesen Satz haben wir sehr oft gehört, als wir uns auf den Einzug unseres ersten Hundes vorbereitet haben. Und somit war das für uns von Anfang an eine klare Sache. Heute sehen wir die Sache wesentlich differenzierter. Natürlich ist eine Hundeschule toll und gerade Welpen können sehr davon profitieren. Aber nur irgendeine Hundeschule zu besuchen, bringt gar nichts. Viel mehr muss man die richtige für sich und seinen Hund finden, denn nur so haben alle etwas davon und es kommt kein Frust auf – egal ob beim Menschen oder beim Hund.

Dieser Artikel wird sehr persönlich werden und anstatt Fakten aneinander zu reihen, werde ich diesmal sehr viel aus dem Nähkästchen plaudern. Denn das Thema Hundeschule ist für uns alles andere als einfach. Wir haben einige Erfahrungen gemacht, auf die wir lieber verzichtet hätten. Und wir wünschen uns, dass Dir als Leser und vor allem auch Deinem Hund diese Erfahrungen erspart bleiben. Vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei.

Hundeschule ist nicht gleich Hundeschule

Eine Hundeschule kann die Entwicklung Deines Hundes positiv oder aber auch negativ beeinflussenWenn Du beschließt, mit Deinem Hund eine Hundeschule zu besuchen, wirst Du es wahrscheinlich ähnlich angehen, wie wir damals. Du erkundigst Dich, welche Hundeschulen es in Deinem Wohnort oder der näheren Umgebung gibt, fragst vielleicht andere Hundehalter nach ihren Erfahrungen und triffst daraufhin eine Entscheidung. Wie wir gelernt haben, solltest Du jedoch noch einige weitere Fragen klären, bevor Du Dich entscheidest, denn Hundeschulen unterscheiden sich doch sehr und somit sind auch die Erziehungsmethoden vollkommen unterschiedlich.

Ich würde heute den Faktor „nähere Umgebung“ erst viel später auf dem Weg der Entscheidung mit einbeziehen und mir stattdessen zuerst Gedanken machen, was ich von der Hundeschule bzw. einem Hundetrainer erwarte. Möchte ich, dass mein Welpe gut sozialisiert wird? Möchte ich den „Grundgehorsam“ mit meinem Hund (egal wie alt er ist) erlernen? Oder gibt es sogar bestimmte Probleme (Leinenführigkeit, Ängste etc.), die ich in den Griff bekommen möchte? Vielleicht hast Du ja auch einfach Lust auf Hundesport und möchtest Agility, Dog Dancing, Mantrailing oder ähnliches ins Trainingsprogramm Deines Hundes aufnehmen? Das alles sind wichtige Fragen bei der Auswahl der Hundeschule. Denn nicht alles wird überall angeboten.

Die zweite wichtige Frage: Mit welchen Methoden sollte der Trainer arbeiten? Es gibt inzwischen viele Hundetrainer, die nach speziellen Methoden arbeiten. Einige haben eine Ausbildung z. B. bei D.O.G.S (Martin Rütter), bei Animal Learn oder bei Cesar Milan absolviert. Das sind nur einige Beispiele von den bekanntesten – da draußen gibt es noch weit mehr, die eine bestimmte Richtung verfolgen. Es lohnt sich also, sich hier genau zu informieren und zu überlegen, mit welcher Methode man sich wirklich wohl fühlt.

Und das „Wohlfühlen“ ist ein sehr wichtiger Faktor! Wir waren leider damals nicht so gut vorbereitet. Wir wählten den Hundesportverein im Ort, weil da irgendwie jeder Hundehalter hingegangen war, meldeten uns im Welpenkurs an und legten ganz unbedarft und unvorbereitet los. Damals waren wir so naiv zu denken, dass die Trainer ja wüssten, was sie da tun und wir in guten Händen sind – auch wenn uns einiges nicht immer sehr angenehm war. Die Welpenschule war noch halbwegs in Ordnung und es gab nur ein paar Situationen, in denen die innere Stimme aufschrie. Eine davon war, als wir unsere Hunde der Reihe nach an einem Zaun anbinden und uns dann entfernen sollten. Unser Devil war schon immer am liebsten direkt bei uns. Er war dann leider auch am hintersten Ende angebunden und weinte bitterlich. Abholen sollte ich ihn erst wieder, wenn er ruhig war. Diese Übung, er war damals 14 oder 15 Wochen, hat ihn so beeinflusst, dass er noch heute erstmal weint, wenn ich weg gehe.

Schau Dir die Hundeschule genau an

Nicht jede Hundeschule passt für jeden HundHast Du eine Vorauswahl für Hundeschulen getroffen, schau sie Dir erst einmal an, bevor Du ins Training einsteigst. Beobachte, wie der Trainer mit den Hunden umgeht, was passiert, wenn Streit unter den Hunden aufkommt und wie die „Lerninhalte“ vermittelt werden. Scheue Dich auch nicht, Fragen zu stellen, wenn Du etwas nicht nachvollziehen kannst. In einer guten Hundeschule wirst Du Antworten bekommen. Wir haben sie damals in dem Hundesportverein nicht bekommen. Nach dem Welpenkurs kam die Junghundeschule (bei demselben Trainer) und ab da änderte sich alles radikal. Plötzlich stand nur noch die Begleithundeprüfung im Vordergrund (wollten wir gar nicht machen) und es wurden Dinge gefordert, die wir einfach nicht verstanden. Als dann für große Hunde noch Empfehlungen mit Stachelhalsband kamen, stiegen wir aus.

Später versuchten wir es dann noch einmal mit einer Hundeschule. Diesmal eine, mit einem großen Konzept dahinter, das auf positive Bestärkung beruht etc. Anfangs schien alles toll. Nette Trainerin, toller Umgang mit dem Hund usw. Leider war dann aber der Stil so lasch, dass andere, weitaus größere Hunde, unseren kleinen als Fußabtreter benutzten. Er wurde gemobbt, angefallen und die Trainerin löste das Problem nicht wirklich. Also brachen wir mitten in der Stunde ab, gingen nach Hause und hatten fortan nicht mehr einen gut sozialisierten Hund wie vorher, sondern einen unsicheren, der zum Leinenrambo wurde und nur noch selten mit anderen Hund spielt.

Hätten wir uns vorab ein oder zwei Trainingsstunden angeschaut, ohne selbst mitzumachen, hätten wir diese Problematik vielleicht schon vorher erkannt und somit unserem Devil weitere schlechte Erfahrungen erspart. Es macht also durchaus Sinn, genau hin zu schauen und auch auf die Feinheiten zu achten. Eine 100%ige Garantie gibt es natürlich nie, aber man bekommt so einen guten Überblick.

Wann ist eine Hundeschule optimal?

Nun stellt sich natürlich die Frage, wann ein Hundeschule für Dich und Deinen Vierbeiner ideal ist? Unserer Erfahrung nach ist das dann der Fall, wenn

  1. individuell auf jeden Hund und seinen Charakter eingegangen wird
  2. Dein Bauchgefühl stimmt
  3. der Hund gern und gut gelaunt beim Training ist
  4. auch unbequeme Fragen beantwortet werden.

Nach unseren Erfahrungen haben wir wirklich erst einmal eine lange Zeit allergisch auf das Wort Hundeschule reagiert und haben stattdessen selbst mit unserem Hund gearbeitet – nach bestem Wissen und Gewissen. In dieser Zeit sind wir weit gekommen, aber alles schafften wir dennoch nicht allein. Also nahmen wir uns noch mal ein Herz, sprachen eine weitere Hundeschule an und berichteten auch ausführlich von unseren Erfahrungen, unserer Skepsis und vor allem den Problemen, die unser Hund von den anderen Hundeschulen mitgenommen hat.

Es gibt richtig tolle Hundeschulen, bei denen alles passtDie Trainerin schaffte es schnell, all unsere Zweifel auszuräumen. Sie sah sich nicht nur die „Probleme“ an, sondern betrachtete das Gesamtbild, also das ganze Verhalten des Hundes, und baute darauf das Training auf. Wir machten erst einmal viele Einzelstunden, in denen sie ihre eigenen Hunde zum Training hinzu nahm und sie nahm Devils Schnüffel-Talent auf und wir probierten uns als Team erfolgreich und mit viel Spaß im Fährtentraining und Mantrailing. Später gingen wir dann auch in eine Gruppe hinein, das war jedoch nicht Devils Fall. Sein Gedankengang war: „Juchu, Hundeplatz, hier darf ich jetzt arbeiten!“. Wenn zwischen den Aufgaben Spielpausen waren, langweilte er sich. Mit anderen Hunden spielen ist halt nicht sein Ding und rum sitzen liegt ihm auch nicht. So stiegen wir dann aus der Gruppe wieder aus.

Fazit:

Es gibt sie also, die Hundeschulen, die wirklich gut sind, Dich und Deinen Hund kompetent begleiten und Dir dabei helfen, Deinen Hund besser zu verstehen und zu führen. Erwischst Du eine solche Schule bzw. einen solchen Hundetrainer, stehen Dir und Deinem Hund tolle Zeiten bevor und Du wirst nicht nur viel lernen, sondern auch viel Spaß haben. Trotz all unserer Erfahrungen wissen wir, dass es da draußen wirklich viele gute Hundeschulen gibt. Es braucht nur etwas Zeit, die richtige für Dich und Deinen Hund zu finden. Genau wie jeder Mensch anders ist, hat auch jeder Hund einen anderen Charakter und das Lernen klappt dann am besten, wenn die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt und man gemeinsam und im Konsens auf ein Ziel hinarbeitet.

Welche Erfahrungen hast Du mit Hundeschulen gemacht? Welche Tipps hast Du zur richtigen Auswahl? Schreib uns einen Kommentar!

Hundeschule die richtige Erziehung für den Hund(*)
  • Eva Degora
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 38 Seiten

Letzte Aktualisierung am 23.10.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bildcredits: Titelbild von 825545, Bild1 von rzwo, Bild2 von pohjakroon, Bild3 von Kaz

(*) Hinweis: Dieser Artikel enthält Provisionslinks (Affiliatelinks), die auch als solche gekennzeichnet sind. Wird über einen solchen Link ein Produkt geordert, erhält dogeridoo vom Verkäufer eine Provision. Für Dich als Käufer entstehen dabei keine Mehrkosten oder andere Nachteile.

Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

Vielleicht interessiert Dich

Best of 2017

Immer zu Beginn eines Jahres schauen wir darauf, was im letzten Jahr so los war …

6 Kommentare

  1. @_blickwinkel_

    Zu diesem Thema könnte Mensch Wälzer schreiben.
    Aber einen Tip geb ich auch gerne:
    Schau Dir den Trainer im Umgang mit seinen eigenen Hunden an, wie geht er mit ihnen um, welches Verhalten zeigen die Hunde ihm gegenüber und anderen Menschen/ Hunden gegenüber.
    Ein guter Trainer wird da keinen Rückzieher machen, er hat nichts zu verbergen.
    Egal ob er seine Hunde als schwierige Hunde aus dem Tierschutz übernommen hat, oder als Welpe, wenn Dir nicht gefällt wie der/die Trainer*in mit seinen Hunden umgeht und sie auf ihn/sie reagieren: weg da.
    Hundegrüsse

  2. Oh ja, das ist auch ein sehr guter Tipp. Einer von der Sorte, die uns damals sicherlich sehr geholfen hätten. Oder vielleicht hätte es uns da stutzig machen können, dass die Trainer ihre Hunde bewusst aus allen Trainingsaktivitäten heraus hielten und zu Hause gelassen haben.
    Ist wirklich ein sehr vielschichtiges Thema, das mit den Trainern und Schulen

  3. Ich würde mich mittlerweile nicht mehr davor scheuen, verschiedene Hundeschulen für verschiedene Zwecke zu besuchen. Die wenigsten bieten z.B. vernünftige Welpenstunden an, wo nicht nur 5-8 Welpen wild aufeinander losgelassen werden, sondern kontrolliertes Spiel zu zweit durchgeführt wird.
    Oder wo man Welpen nach der Lernphase nicht mehr spielen lässt, damit das Gelernte eine Chance hat sich zu festigen.

    Liebe Grüße
    Denise

  4. Der Artikel könnte von mir sein. Wir haben so ziemlich genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Ich bereue es auch heute noch, dass ich nicht schon beim Anbinden an den Zaun aus der Welpengruppe ausgestiegen bin. In der Junghundeschule hatte unser Hund dann eine solche Angst aufgebaut, dass ein Training nicht mehr möglich war und wir abgebrochen haben. Wir haben dann auf Einzeltraining gesetzt und verschiedene Trainer mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert. Wir sind sogar auf einen Trainer getroffen, der uns anbot, unseren Hund, einen liebenswerten, wunderbaren aber sehr sensiblen Dobermann, abzunehmen, weil er uns vorhersagte, dass der Hund in spätestens vier Wochen von uns nicht mehr zu bändigen sei. Ich hätte ihn eher einschläfern lassen, als ihn diesem brüllenden, an der Leine reißenden Monster zu überlassen. Nach der ersten Stunde war dann auch Schluss. Eine Trainerin hat ausschließlich mit mir gesprochen, der Hund musste dabei ruhig auf der Decke liegen. Mit ihm gearbeitet haben wir nie. Nach der fünften Theorie-Laberstunde, in denen es fast ausschließlich um die Heldentaten ihrer eigenen Hunde ging, die ich übrigens nie zu Gesicht bekommen habe, habe ich auch das beendet. Erst die fünfte Trainerin (120 km von unserem Wohnort entfernt) hatte ein wirkliches Konzept und konnte uns Methoden zeigen, die der Hund verstand und die ihn nicht noch mehr verunsichert haben. Inzwischen ist unser Hund drei Jahre alt, immer noch bei uns, genießt sein Leben in vollen Zügen und wird von der ganzen Familie geliebt, so wie er ist. Er ist immer noch sehr sensibel und es gibt auch weiterhin kleinere Baustellen, an denen wir arbeiten. Für uns war die Suche nach dem richtigen Trainer die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Es ist erschreckend, was man mit den unterschiedlichen Trainern und Methoden erlebt und was den armen Tieren zugemutet wird. Sowas passiert mir nie wieder und ganz sicher auch keinem Hund, der in meiner Obhut ist.

    • Oje Donni, da habt ihr ja sogar noch einiges mehr durch als wir. Schon komisch, was sich da so alles unter den Trainern und in Schulen tummelt.
      Umso mehr freut es mich, dass ihr nun angekommen seid und mit einem tollen Hund durchs Leben geht. Macken und Baustellen gibt es ja überall, die geben dem Ganzen ja auch erst die Würze. Und mit der richtigen Unterstützung an der Seite wird auch das Training zum Vergnügen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.