Hunger ist der zweite Vorname vom Labrador
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Hunger ist der zweite Vorname vom Labrador

„Selbst bei einem Erdbeben hätte der Labrador nur Angst, dass sein Futter in einer Erdspalte verschwinden könnte“ – so hat der aus dem TV bekannte Hunde-Trainer Martin Rütter die Rasse einmal beschrieben. Und damit ist auch fast alles wichtige über diese Hunde gesagt. Man könnte höchstens noch erwähnen, dass sie spaßige Gesellen sind und das Wasser lieben. Daher sieht man einen Labrador auch nur selten in trockenem Zustand und oftmals kann man den Farbschlag nicht wirklich erkennen, da das Schlammbad für ein einheitliches Bild sorgt.

Aber natürlich wollen wir uns in einer Rassebeschreibung nicht nur auf die Merkmale des Labrador Retrievers (kurz Labbi) ausruhen, sondern graben gern noch ein wenig tiefer. Denn in Wirklichkeit hat die Rasse natürlich noch viel mehr zu bieten, als einen nie enden wollenden Appetit. Vielmehr haben wir es hier mit einem intelligenten Familiengefährten zu tun, der ein äußerst freundliches Wesen hat und sich sehr gern bewegt.

Wie wurde der Labrador zur Wasserratte?

Der Labrador ist eine richtige WasserratteDie Vorfahren des Labradors stammen, wie auch der Neufundländer und der Landseer, aus Kanada – genauer gesagt von der kanadischen Ostküste. Dort kannte man ihn ursprünglich unter dem Namen „St. John’s Hund“, benannt nach einem Oberst. In seiner dortigen Heimat wurde der Labrador vor allem von Fischern gehalten und eingesetzt. Er unterstützte sie bei ihrem harten Job, holte abgetriebene Netze und Fische ein – und das erklärt seine ausgesprochen große Liebe zum Wasser. Aber nicht nur als Fischerei-Assistent leistete der Labrador gute Dienste.

Lord Malmesbury holte den kräftigen Hund Anfang des 19. Jahrhunderts nach England und setzte ihn dort in der Jagd ein. Schnell waren auch andere Jäger in Adelskreisen von seiner Apportierfähigkeit begeistert und so begann der Lord mit der Züchtung und legte dabei besonders viel Wert auf die Tauglichkeit bei der Jagd. Man nimmt an, dass aus diesem Grund auch Pointer mit in die Rasse eingekreuzt wurden. Seine schon erwähnten Fähigkeiten beim Apportieren sorgten zudem dafür, dass er Labrador bei der Jagd nach dem Schuss eingesetzt wurde. Sein Job war es, die Beute zu suchen und sie dann dem Jäger zu bringen.

Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wurde der Labrador immer beliebter und in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sorgte seine Popularität dafür, dass er nicht nur ausschließlich zur Jagd gezüchtet wurde, sondern auch zunehmend auf Shows auftauchte und somit seinen Weg in die Familien fand. Bis 1970 bezeichnete man ihn überwiegend noch als St. John’s Hund – ab dann erhielt er jedoch den Namen Labrador Retriever. Den ersten Teil seines Namens verdankt er einer Insel vor Neufundland und der zweite Teil (Retriever) steht für sein jagdliches Einsatzgebiet.

Der Labrador ist wie die kleine Raupe Nimmersatt!

Zum Wesen und Charakter des Labradors haben wir das wichtigste schon geschrieben: Er ist eigentlich ständig hungrig und liebt es, sich in Wasser zu tummeln. Was sich erst einmal ganz charmant anhört, sorgt im Alltag dann doch für einige Unstimmigkeiten bei seinen Haltern. Von einer Freundin ist uns bekannt, dass der Labrador, sobald sich eine Gelegenheit dazu ergibt, die Komposthaufen der gesamten Nachbarschaft auf Lebensmittel untersucht und sich diese auch gern einverleibt. Das sorgt nicht nur für Magenbeschwerden, sondern auch für einen unschönen Geruch.

Essen ist ein beliebtes Labrador HobbyDa wäre es ja eigentlich von Vorteil, dass der Labrador gern schwimmen geht. Jedoch sind nicht nur Seen sein bevorzugtes Wasserrevier – er freut sich über jeden Tümpel und jede Pfütze, in der er sich wälzen kann. So vermischen sich dort weitere Gerüche mit den bereits vorhandenen und darüber hinaus nimmt das Fell immer wieder eine neue Färbung an und sorgt somit für Abwechslung. Die hat man auch dann, wenn der Labrador wieder einmal entscheidet, dass das Hosenbein seiner Menschen das beste Handtuch sind.

Aber Spaß beiseite – der Labrador hat viele tolle Eigenschaften, die ihn zu einem treuen Begleiter, Freund und Familienhund machen. Er ist äußerst anpassungsfähig, freundlich zu den Menschen und Tieren in seiner Umgebung und dabei auch noch sehr gutmütig. Um ihn aus der Ruhe zu bringen, muss man sich schon etwas einfallen lassen (wenn man einmal vom Futter absieht). Grundsätzlich sind Labradore daher sehr leicht zu erziehen, wobei sie hin und wieder auch gern zeigen, dass sie einen kleine Sturkopf haben.

Da der Labrador ursprünglich ein Jagdhund war, ist natürlich auch ein Jagdtrieb vorhanden, den man mit entsprechender Erziehung jedoch recht gut in den Griff bekommen kann. Etwas schwieriger kann es da schon mit dem ungestümen Bewegungsdrang sein. Gerade junge Labradore schießen beim Spielen und Toben gern mal übers Ziel hinaus und greift man dort nicht gleich ein, hat man später auch einen recht aufdringlichen Hund, der Grenzen nur schlecht akzeptieren kann.

Pflege und Gesundheit des Labradors

Der Labrador an sich verfügt über ein recht kurzes und glattes Fell mit Unterwolle. Das hört sich im ersten Moment sehr pflegeleicht an, jedoch haben viele Labradore die Eigenschaft, gern zu haaren. Gegen ein paar Accessoires in Form von Hundehaaren auf Kleidung und Möbel sollte man also nicht zu negativ reagieren. Mit einer guten Bürste kann man das Haaren recht gut in den Griff bekommen und meist lassen sich die Hunde das auch sehr gern gefallen. Neben der Bürste empfiehlt es sich, einen Wasserschlauch im Garten zu haben oder zumindest eine Dusche, für die man nicht durch das ganze Haus laufen muss. Wie schon erwähnt, steht der Labrador auf Schlammbäder und braucht somit öfter mal einen Waschgang.

Ein Labrador braucht öfter mal eine DuscheNeben der Pflege ist natürlich auch die Gesundheit des Hundes ein wichtiges Thema für Labrador-Halter. Aufgrund seiner Größe und seines Gewichts ist bei dieser Rasse, wie bei vielen anderen auch, die Gefahr einer Hüftgelenkdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) gegeben. Bei der Zucht spielen Untersuchungen diesbezüglich eine wichtige Rolle, sie können aber Erkrankungen leider nicht hundertprozentig verhindern. Neben den Gelenken können dem Labrador auch die Muskeln Probleme bereiten. Man spricht dabei von einer Labrador-Myopathie, einer erblichen Krankheit, die meist schon im Alter von drei bis vier Monaten auftritt und sich durch schnelle Ermüdung und den Verlust des Patellasehnenreflexes zeigen kann.

Es gibt noch einige weitere Krankheiten, die beim Labrador Retriever auftreten können. Einige sind eher rassetypisch, andere treten auch bei weiteren Rassen auf. Grundsätzlich ist der Labrador jedoch nicht so schnell klein zu kriegen und verfügt über eine recht hohe Lebenserwartung. Geht man regelmäßig zum Tierarzt und achtet auf die bekannten Krankheitssymptome, kann man dem Hund und auch sich selbst viel Leid ersparen.

Ist der Labrador ein Hund für mich?

Wer sich für einen Labrador entscheidet, entscheidet sich für einen treuen Freund. Allerdings braucht man als Halter dieser Rasse auch ein wenig Humor, um seine Vorlieben und kleinen Macken leicht zu nehmen. Sieht man darüber hinweg, hat man jedoch einen tollen Hund, der sich auch in Familien äußerst wohl fühlt. Auch sportliche Menschen haben ihre Freude am Labrador, denn er begleitet seine Menschen gern auf Rad-Touren, sorgt beim Joggen für neue Rekorde und freut sich auch über Hunde-Sportarten wie Agility.

Hast Du einen Labrador in Deiner Familie? Dann freuen wir uns über Deine Erfahrungen und Anekdoten in den Kommentaren!

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Über Nicole Rinne

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4 Kommentare

  1. Da bin ich aber froh, dass unser Dante eine Ausnahme ist zumindenst was die Raupe Nimmersatt angeht 🙂 Leider sehe ich sehr oft übergewichtige Labradore… Dafür ist er ansonsten ein typischer Labrador: freut sich mehr über Menschen als über Hunde, ist nicht aus der Ruhe zu kriegen sehr verschmust und einfach eine coole Sau 🙂 Einzig mit seinen Ohren hat er manchmal Probleme da muss man regelmäßig drauf achten, dass sie nicht entzündet sind…

  2. Ja, Ohrenentzündungen sind nervig, das kennen wir von unserem Schlappohr hier. Wie sieht es bei Dante mit Wasser aus? Geht er gern baden?

  3. Ich kann alles aus dem Artikel unterschreiben.
    Charlie hat immer alles gefressen was sie bekam…ein Jahr hat sie unserem Sohn alle Schokohasen einzeln aus dem Regal geräumt, aus der Folie gewickelt und gefressen. ( Haben es zu spät bemerkt, aber sie hat Gott sei Dank Lei an Schäden genommen)
    Wasser war genial, dass ich manchmal gesagt habe, wenn ich nach der Rasse gefragt wurde „Seehund“. Es war egal ob der See hier vor Ort, oder das Meer….aber am allerallerbesten waren Schlammpfützen.
    Und Kinder.( Wir haben neben einem Kindergarten gewöhnt als sie zu uns kam). Beim Abholen des Sohnes ging es erst nach ausgiebigen Streicheleinheiten zurück. Am liebsten hätte sie jedes Kind im Kinderwagen „geküsst“.
    Leider ist bei ihr ein Milztumor geplatzt und wir müssten sie ganz plötzlich gehen lassen.
    Noch ist nicht der richtige Zeitpunkt, aber wenn wird es wieder diese Rasse werden

    • Das sind sehr schöne Erinnerungen, die du an euren Charlie hast. Schön, dass sie immer im Herzen verwahrt sind. Ich bin mir sicher, Charlie wird euch zur richtigen Zeit genau den richtigen Hund für euch zeigen!

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