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Kampfhunde – sind sie besser als ihr Ruf?

Ab und zu begegnen wir hier bei uns im Ort einem Pärchen mit zwei Pitbulls. Die Hunde sind wirklich süß – aber trotzdem machen viele Leute einen großen Bogen um dieses Quartett und werfen den Hundehaltern komische Blicke zu. Dazu hört man dann häufig Kampfhunde bei dem Geflüster, was dann ausgetauscht wird. Wir machen auch einen Bogen um das Mensch-Hunde-Gespann – allerdings nicht aus den vermuteten Gründen, sondern einfach, weil unser Cavalier die beiden Hunde nicht mag. Während unser also gern mal keifend in die Leine springt, wenn er sie erblickt, lassen sich die beiden Pitbulls davon gar nicht stören, schauen oft gar nicht zu unserem kleinen Teufel und gehen gelassen ihres Weges. Geht man vom Gekeife aus, ist unser kleiner Spaniel eher ein Kampfhund als die beiden.

Klar, das ist jetzt nur ein Beispiel und sicher gibt es auch Pitbull Terrier oder Staffordshire Terrier, die keifend in die Leine gehen. Aber da das ja auch viele andere Hunde tun, ist das schon mal nicht abhängig von der Rasse. Es ist vielmehr ein Ergebnis vom Wesen des Hundes, seinen bisher gemachten Erfahrungen und schlussendlich auch der Erziehung. Und genau diese Punkte sind es, über die man sich auch schon seit Jahren bei der Diskussion, ob die so genannten Kampfhunde nun gefährlich sind, streitet. Viele (insbesondere Hundehalter und Verhaltensforscher) sind der Meinung, dass kein Hund aggressiv geboren wird und es somit nicht vererbbar beziehungsweise ein Rassemerkmal ist. Andere sehen das nicht so. Sie stecken Hunde bestimmter Rasse in eine Schublade, belegen Halter mit vielen Pflichten und setzen auch gleich die Hundesteuer für diese Rassen noch hoch.

Was sind eigentlich Kampfhunde?

KampfhundeDas Wort Kampfhund ist heute fest in unserem Sprachgebrauch und wird vor allem von Medien gern aufgegriffen, wenn Menschen oder andere Tiere von Hunden bestimmter Rassen angegriffen werden. Der Ursprung dieses Wortes liegt aber gar nicht in der Bezeichnung von bestimmten Rassen, sondern vielmehr in der Verwendung von Hunden. Denn leider war es lange Zeit üblich, Hundekämpfe und ähnliches zu veranstalten. Und zu diesen Kämpfen wurden Hunde mit der Zeit auch gezüchtet. Sie sollte bestimmte körperliche Attribute haben und auch mit dem Kampf dienlichen Wesenszügen ausgestattet sein. Heutzutage sind Hundekämpfe zum Glück in fast jedem Land der Welt verboten und offizielle Zuchtstätten für solche Kampfhunde gibt es auch nicht mehr. Wobei natürlich illegal immer noch so einiges vorkommt.

Fakt ist aber, dass die Bezeichnung Kampfhunde nichts mit dem zu tun hat, was bei uns auf den Straßen und Hundewiesen zu sehen ist. Dort gibt es einfach verschiedene Rassen und einige davon gelten laut einer Liste des jeweiligen Bundeslands als gefährlich, werden deshalb auch Listenhunde genannt. Per Definition kann ein Bullterrier zum Beispiel definitiv ein Kampfhund sein, wenn er zu Hundekämpfen genutzt wird. Das gilt aber dann auch für den Dackel oder den Golden Retriever, wenn man sie denn zu einem Hundekampf hinzu zieht. Niemand würde jedoch auf die Idee kommen, einen Goldie als Kampfhund zu bezeichnen.

Schublade auf, Rasse rein

Wenn von Kampfhunden die Rede ist, sind also eigentlich die Listenhunde gemeint. Und das sind je nach Bundesland in Deutschland auch noch ganz unterschiedliche Rassen, denn eine allgemeine Definition, welche Rassen denn nun von den Gesetzgebern grundsätzlich als gefährlich angesehen wird, gibt es nicht. In vielen Bundesländern stehen Pitbulls, Bullterrier und auch Staffordshire Terrier auf der Liste – sie gelten also fast überall als böse. In Brandenburg gilt beispielsweise auch der Dobermann als Listenhund und in Niedersachsen und Schleswig Holstein verzichtet man auf solche Listen. In allen Bundesländern, in denen eine Liste besteht, erklärt man sie damit, dass eben diese Liste dafür sorgt, dass gefährliche Hunde besser kontrollierbar sind und somit auch ein größerer Schutz für die Bevölkerung besteht.

Hunde, die einer auf der Liste benannten Rasse angehören, gelten also grundsätzlich als gefährlich, wobei einigen Bundesländer einigen Rassen auch wieder zugestehen, durch einen Wesenstest beim einzelnen Hund zu beweisen, dass er nicht in die vordefinierte Schublade passt, also nicht durch und durch böse ist. Und während laut Definition der Listen ein Dobermann in Berlin als ungefährlicher Hund gilt, kann er ein paar Kilometer weiter in Brandenburg als Waffedurchgehen. Und spätestens an diesem Punkt überlegen hoffentlich viele, in wie weit diese Listen überhaupt Sinn machen. Denn der Wohnort des Hundes hat wohl nichts mit der Aggressivität zu tun – genauso wenig wie die Rasse per se über das Wesen des Hundes entscheidet.

Gibt es gefährliche Hunderassen?

Kampfhunde?Ist ein Mensch durch und durch gut oder böse? Wohl eher nicht. Jeder hat gute und schlechte Seiten und alle, die beispielsweise aus einer bestimmten Gruppierung stammen, über einen Kamm zu scheren, endet nie gut. Das hat uns die Geschichte schon gezeigt und gerade in der jetzigen Zeit werden wir wieder häufig daran erinnert. Bei den Hunden sehen es dann aber viele anders. Da wird genau das praktiziert. Da heißt es dann, dass alle Bullterrier böse sind und deshalb vielleicht nur noch mit Maulkorb auf die Straße dürfen. Der Halter wird dann noch mit weiteren Pflichten eingedeckt und darf natürlich auch gleich noch bei der Hundesteuer einen Aufschlag zahlen, der eigentlich nicht erklärbar ist.

Zur Rechtfertigung dieser Listen und der Vorverurteilung bestimmter Rassen werden dann Statistiken heran gezogen. Dort steht dann, wie viele Beißvorfälle es gab und das diese ja immer häufiger werde. Aber Statistiken können halt auch immer unterschiedlich ausgelegt werden. Natürlich gibt es tragische Vorfälle, bei denen Menschen durch Hunde (schwer) verletzt oder sogar getötet wurden – aber das ist doch alles andere als die Regel und irgendwo hab ich sogar gelesen, dass die Verletzung durch ein Pferd um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist als die durch Kampfhunde. Und das auf einen aggressiven Hund einer bestimmten Rasse viele gut sozialisiert und somit total liebe Hunde derselben Rasse kommt, wird dann in diesem Zusammenhang nicht gern erwähnt.

So zeigen viele Gegner der Rasselisten immer wieder auf, dass Aggression keine Rassemerkmal ist und viel mehr von der Sozialisierung und der Erziehung des Hundes abhängig ist. Aber das bleibt leider ungehört oder wird ignoriert. Ignoriert wird auch die Tatsache, dass nicht selten die Halter dieser Listenhunde, die wirklich auffällig werden, zu dem aggressiven Verhalten beitragen. Bei einigen ist es bewusst mit Training herbeigeführt, andere missachten einfach die Bedürfnisse des Hundes oder halten ihn einfach nicht artgerecht. Auch wenn eine selbstbewusste Hunderasse nicht richtig erzogen wird, kann es zu Problemen und Aggressivität führen. Das ist beim Bullterrier aber genauso der Fall, wie auch beim Dackel.

Es gibt keine Kampfhunde

Kampfhunde?Beschäftigt man sich eingehend mit dem Thema Kampfhunde oder auch Listenhunde, ist schnell zu sehen, dass da einiges nicht genau überlegt wurde, sondern vielmehr entschieden wurde, um nach einem schlimmen Beißvorfall die Bevölkerung zu beruhigen. Leiden darunter müssen vor allem die Hunde, die vielerorts auf Ablehnung stoßen, nicht einfach wie andere Hunde frei laufen dürfen oder auch beschimpft und provoziert werden. Da helfen auch nicht die vielen Bilder und Videos die zeigen, dass Hunde dieser angeblich so gefährlichen Rassen auch nicht anders sind als normaleHunde. Sie möchten genauso spielen und kuscheln oder mit Artgenossen toben.

Gefährlich ist meist nur eine Rasse: der Mensch selbst! Wer sich einen Hund zulegt, hat es auch in der Hand, wie der erzogen ist. Klar, es gibt äußere Einflüsse, die wir nicht immer kontrollieren können. Aber ist ein Hund aus irgendeinem Grund aggressiv, wird ein verantwortungsvoller Halter sicher daran arbeiten – und es gibt andere Halter, die diese Verantwortung nicht übernehmen möchten oder können. Und leider auch solche, die es toll finden, einen aggressiven Hund zu haben. Deshalb wäre es ein guter Ansatz nicht bei Hunden, sondern viel mehr bei den Haltern einen Wesenstest durchzuführen. Damit würde auch den Hunden viel Leid erspart werden!

Wie stehst Du zum Thema Kampfhunde bzw. Listenhunde? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.

Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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