Leinenführigkeit - wer geht mit wem spazieren?
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Leinenführigkeit oder wer geht mit wem spazieren?

Hilfe, mein Hund zieht total, wenn ich mit ihm draußen bin. Wie kann ich ihm das abgewöhnen? – Fragen dieser Art liest man häufig im Internet. Die Leinenführigkeit scheint eines der größten Probleme zu sein, die wir Menschen mit unseren vierbeinigen Freunden haben. Auch wir haben schon Erfahrungen damit gesammelt. Häufig sehen wir auch Hunde, die mit ihren Herrchen und Frauchen spazieren gehen, sie also an der Leine hinter sich her ziehen. Was auf den ersten Blick noch lustig aussieht, löst bei den Haltern nicht gerade ein Lachen aus. Für sie ist jeder Spaziergang der pure Stress und die Verzweiflung wächst von Tag zu Tag.

Wie man einem Hund die Leinenführigkeit beibringen kann, ist natürlich auch bei vielen Trainern ein großes Thema. Schließlich trainieren sie das beinahe täglich mit ihren Kunden. Mit der Zeit haben sich daher auch viele verschiedene Trainingsansätze entwickelt, mit denen man dieses Problem in den Griff bekommen kann. Die meisten Ansätze haben ihre Berechtigung und wie so oft, gibt es kein Richtig oder Falsch im herkömmlichen Sinne. Es gibt nur Trainings, die beim Hund funktionieren oder aber auch nicht. Auch hier können wir keine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Erfolgsgarantie geben. Wir können jedoch von unseren eigenen Erfahrungen berichten, denn auch wir haben eine Menge ausprobiert. Solange, bis wir mit dem Hund spazieren gehen konnten – und der Hund nicht mehr die Führung übernommen hat.

Was verstehen wir unter Leinenführigkeit

Leinenführigkeit wird von jedem anders definiertBevor es an die Tipps geht, mit denen wir unserem Devil das ruhige Laufen an der Leine beibringen konnten, noch ein paar ganz allgemeine Worte. Der Begriff Leinenführigkeit sorgt bei jedem Hundehalter für ein anderes Idealbild. Viele sind der Meinung, dass der Hund stets leicht hinter ihnen gehen soll. Andere lassen ihren Hund am liebsten „Bei-Fuß“ gehen und wieder andere lassen den Hund an kurzer Leine direkt neben sich laufen.

Wir sind da ein wenig lockerer eingestellt. Uns kam es hauptsächlich darauf an, dass der Hund nicht mehr unkontrolliert zieht und uns ständig hinter sich her zerrt. Wir wollten einfach mit lockerer Leine laufen können – und wenn unser Devil meint, er muss drei Schritte vor uns laufen, dann ist das für uns genauso okay, wie wenn er hinter oder neben uns geht. Auch darf er zwischendurch immer gern zum Schnüffeln stehen bleiben. Wir nehmen uns dann einfach die Zeit, damit er seine Umgebung ausreichend erkunden kann.

Für uns war beim Training der Leinenführigkeit auch wichtig, dass der Hund sich nicht verletzen kann. Daher trägt Devil ein Geschirr und kein Halsband, denn damit war uns die Gefahr an Halsverletzungen zu groß. Wir haben uns für ein maßgeschneidertes Brustgeschirr entschieden, dass den Druck gleichmäßig verteilt. Dazu nutzen wir (auch heute noch) eine ganz normale Lederleine (2 m), die wir je nach Bedarf auch mal kürzer halten können, wenn der Hund näher bei uns laufen soll. So hat der Hund ein wenig Freiheit, ohne das wir die Kontrolle abgeben müssen.

Welche Wege zur Leinenführigkeit gibt es?

Wir haben es schon erwähnt: Zum Thema Leinführigkeit gibt es eine Menge Trainingsansätze. Wir haben wohl die meist genannten durchprobiert, bis wir schließlich einen Ansatz fanden, mit dem wir Fortschritte erzielten. Was bei Dir funktionieren kann, hängt zum einen davon ab, ob der Trainingsansatz Dir zusagt und ob er zum Charakter Deines Hundes passt. Denn wir stellten oft genug fest, dass der Dickkopf unseres Hundes weitaus erfolgreicher war als das Training. Deshalb war es bei uns auch ein sehr langes Projekt.

Tipps zur Leinenführigkeit1. Loben bei lockerer Leine

Das wohl angenehmste Training für einen Hund ist die positive Bestärkung. Auch beim Thema Leinenführigkeit kann man mit der positiven Bestärkung arbeiten. Unser Aufgabe als Mensch besteht dabei darin, den Hund immer dann gleich zu loben und vielleicht mit einem Leckerli zu belohnen, wenn er an lockerer Leine geht. Besonders leicht geht das natürlich mit einem Klicker, aber auch lobende Signalwörter, die der Hund gut kennt, kann man hierbei verwenden.
Unsere Erfahrung damit: Dieses Training hätte uns am besten gefallen – der Hund zeigte sich davon allerdings unbeeindruckt. Kaum kam das Lob oder Leckerli, nahm der Hund es dankend an und sprintete gleich darauf wieder los.

2. Stehen bleiben

Wenn positive Bestärkung nicht hilft, ist der nächste Schritt meist das Ignorieren. Beim Training der Leinenführigkeit heißt das dann, dass man einfach stehen bleibt, wenn der Hund zieht. Ziel ist es, dass der Hund so merkt, dass Ziehen ihn nicht schneller ans Ziel bringt, sondern ihm in Gegenteil davon abhält.
Unsere Erfahrung damit: Wir haben viel Geduld gezeigt und viele Spaziergänge größtenteils stehend verbracht. Diese Geduld hatte unser Hund leider nicht. Ging es zu lange nicht weiter, hat er die halbe Stadt zusammen gebellt. Blieb er dann tatsächlich mal ruhig sitzen, so dass wir wieder weitergehen konnten, preschte er schon wieder los, so dass uns fast der Arm ausgerissen wurde.

3. Richtungswechsel

Auch häufig empfohlen wird der Richtungswechsel, bei dem man als Halter schon etwas Aktiver und Bestimmter auf das Zerren an der Leine reagiert. Legt der Hund mal wieder richtig los und zerrt in eine Richtung, dreht man sich einfach in die entgegengesetzte Richtung und geht los. Folgt dann der Hund an lockerer Leine, kann man die ursprüngliche Richtung wieder aufnehmen.
Unsere Erfahrung damit: Klappte bedingt. Der Hund war kurz verwirrt, folgte dem Richtungswechsel und fand dann gleich den nächsten Grund, wieder zu zerren. So kamen wir nicht wirklich vom Fleck. Es ging immer 5 Meter in die eine Richtung, dann wieder 5 Meter in die andere Richtung usw. Besserung war nicht zu erkennen.

Was hat bei uns dann schließlich zu einer guten Leinenführigkeit geführt?

Leinenführigkeit mal anders trainierenTja, und jetzt kommt das, was uns am meisten überrascht hat: Am Besten konnten wir die Leinenführigkeit trainieren, wenn es gar nicht nötig war. Wir hatten uns schon sehr an die Richtungswechsel gewöhnt und probierten diese irgendwann aus, wenn der Hund entspannt neben uns lief. Ich glaube, wir wollten einfach nur wissen, wie er sich an uns orientiert – und siehe da… er reagierte bestens auf jeden Richtungswechsel. Wir wechselten dann für ein paar Minuten immer schon nach 3-4 Schritten wieder und wieder die Richtung (sehr zur Belustigung der Leute, die uns dabei sahen), verwirrten den Hund damit ein wenig und merkten, wie sehr er sich anstrengte, uns zu folgen.

Ja, es war tatsächlich eine große Anstrengung für ihn, deshalb würde ich diese Art von Training auch wirklich immer nur wenige Minuten am Stück machen. Und natürlich tritt hier auch nicht sofort eine große Veränderung ein und der Hund läuft nicht nach drei Trainingseinheiten perfekt neben einem. Wir merkten aber, dass seine Aufmerksamkeit sich mehr auf uns verlagerte. Er wartete teilweise richtig darauf, dass wir wieder grundlos und ohne Ankündigung in die andere Richtung liefen. Und nach wenigen Wochen lief er mit lockerer Leine bei uns und wir ließen diese Trainingseinheiten langsam auslaufen.

Diese Art des Trainings mag ungewöhnlich sein, aber unser Hund war schon immer ein bisschen anders und verlangte Kreativität von uns. Vielleicht helfen bei Dir auch ganz andere Dinge, Deinen Hund vom Zerren abzuhalten. Wichtig ist nur, dass Du Dich nicht entmutigen lässt. Klappt eine Sache überhaupt nicht, dann such nach einer anderen Möglichkeit. Irgendwann findest Du das, was zu Dir und Deinem Hund passt.

Welche Erfahrungen hast Du mit der Leinenführigkeit gemacht? Schreib uns in den Kommentaren, was bei Dir zum Erfolg führte!

An lockerer Leine: Der leichte Weg zum leinenführigen Hund(*)
  • Jeanette Przygoda
  • Herausgeber: Franckh Kosmos Verlag
  • Auflage Nr. 1 (05.01.2017)
  • Taschenbuch: 112 Seiten

Letzte Aktualisierung am 19.11.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bildcredits: Titelbild von StockSnap, Bild1 von paologhedini, Bild2 von YouComMedia, Bild3 von DanceERB

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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2 Kommentare

  1. Hallo! Tja,DIE Frage stellen wir uns jeden Tag,wenn wir mit Nelly spazieren gehen….. wer geht wohl mit wem ? Das so ein kleiner Hund uns so derart „manipuliert“, hätten wir uns nie gedacht,aber selber Schuld. Vielleicht ändert Nelly eines fernen Tages doch noch ihre einstellung und geht endlich mal spazieren,wie es für einen „normalen“ Hund gehört.Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Fazit: Geht der Mensch nicht dorthin,wo Nelly will…. dann steht die Zeit für Nelly still.Setzt sich hin… von ihr aus Stunden….vorbei sind da die Spaziergehrunden.Nach Hause wird sie dann getragen,,was soll man dazu noch viel sagen????

    • Hallo Monika! Tja, Nelly hat da wirklich ihren eigenen Kopf und setzt ihn auch erfolgreich durch. Aber zumindest zieht und zerrt sie nicht an der Leine, das ist ja schon mal was 😉 Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder auf einer Runde. Devil vermisst seine kleine Freundin schon

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