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Markieren im Zuhause – warum tun Hunde das?

Wer in Hunde-Foren und -Gruppen mit liest, stößt regelmäßig auf einen Hilfeschrei in der Art von: Wie kann ich meinem Hund das Markieren zu Hause abgewöhnen? Dieses weit verbreitete Verhalten ist für viele Hundebesitzer ein großes Problem, denn oftmals ist unverständlich, warum der Hund dieses Verhalten zeigt und noch weniger weiß man, wie man es wieder in den Griff bekommt. So leiden Möbel, Teppiche usw. und erwischt man nicht jede Markierung, leidet man selbst schnell auch unter dem beißenden Geruch. Was soll man also tun?

Grundsätzlich gibt es mehrere Gründe, warum ein Hund im Heim markiert. Zu aller erst sollte man prüfen, ob es sich hierbei um ein gesundheitliches Problem handelt. Blase, Harnwege und Nieren sollten also vom Tierarzt untersucht werden. Sind gesundheitliche Probleme ausgeschlossen, fängt die eigentliche Arbeit an. Denn dann gilt es heraus zu finden, wann und warum der Hund meint, seine Duftmarken hinterlassen zu müssen. Und das machen übrigens nicht nur Rüden, wie oft angenommen wird, sondern auch Hündinnen können diesen Tick entwickeln und ihre Halter damit zur Verzweiflung bringen.

Warum markieren Hund eigentlich?

Jede Ecke wird zum Markieren genutzt - und man kommt kaum voranGerade Rüdenbesitzer wissen wie es ist, an jedem Baum, jeder Straßenecke oder Laterne stehen zu bleiben, da der Hund hier sein Beinchen heben möchte. Es werden ein paar Tropfen abgegeben, dann noch mal vorsichtshalber nach geschnüffelt und weiter geht es zur nächsten Gelegenheit. Das ist ein ganz normales Verhalten. Der Hunde markiert damit sein Revier und hinterlässt Botschaften für andere Hunde. Man kann sich das wie ein Social Network vorstellen. Anhand der Markierungen wissen unsere Hunde genau, welche Hündinnen in der Umgebung läufig sind oder ob der Nachbarshund vor kurzem an der Ecke, an der sie gerade schnuppern, vorbei gekommen ist.

Und eben diese Nachrichten hinterlassen sie auch selbst beim Markieren. Sie zeigen damit an, wo ihr Spaziergang entlang ging und sagen eindeutig: Ich war hier! Kommt der nächste Hund vorbei, nimmt er diese Information durch das Schnüffeln auf und wird seine Markierung mit großer Wahrscheinlichkeit darüber setzen. Dabei werden meist nur kleine Mengen Urin abgegeben, denn mit dem Markieren soll die Blase nicht geleert werden, viel mehr hält der Hund immer etwas zurück, um genug zum Markieren zu haben.

Ist Markieren ein reines Revier-Verhalten?

Man könnte jetzt also meinen, das Markieren wird vom Hund einzig dazu eingesetzt, sein Revier zu markieren. Die Erklärung ist für uns Menschen verständlich (wenn auch nicht erfreulich), wenn der Hund im Zuhause markiert. Er möchte damit also sagen: Das ist mein Heim! So weit, so gut. Aber warum machen das dann nicht alle Hunde? Hier kommt die Dominanz des Hundes ins Spiel. Und da muss man ganz klar sagen, dass es wirklich um Dominanz handelt – obwohl wir sonst eher vorsichtig mit diesem Wort umgehen und nicht alle Theorien dazu unterstützen oder nachvollziehen können.

Ist der Hund der Ansicht, er ist der Boss im Hause, festigt er diesen Status mit gezielt abgesetzten Duftmarken. Und diese werden durch die ganze Wohnung verteilt. Erwischen wir ihn dabei und schimpfen, merkt sich das der Hund natürlich. Bei sensiblen Tieren reicht ein ‚Donnerwetter‘ aus, um dieses Markieren auch zukünftig damit zu unterbieten. Ein Großteil der Hunde lernt jedoch dadurch auch nur: Okay, ich darf es nicht vor den Augen meiner Menschen machen. Daher schreiten sie dann gern nachts, wenn alles schläft, ihr Revier in den vier Wänden ab und markieren dann.

Und was hilft nun gegen das Markieren?

Markieren Hunde aus Dominanzgründen, sollte das Sofa zur Sperrzone werdenPassiert das Markieren aus Dominanzgründen und reagiert der Hund nicht aufs Schimpfen, so hilft nur eins: Klare Regeln setzen! Wie schon erwähnt, sind wir oftmals nicht gerade Freunde der allgegenwärtigen Dominanz-Theorien, die bei so ziemlich jedem Verhalten aufs Trapez gebracht werden, aber hier gibt es einfach keine andere Möglichkeit. Also zeigt dem Hund, dass nicht er der Boss im Haus ist. Und das geht am besten, wenn ihr ihm ein paar Privilegien entzieht. Lasst das Spielzeug nicht mehr frei herum liegen, macht das Sofa zu eurem Platz, nicht zu seinem und zeigt ihm, dass nicht alles, was er bisher als selbstverständlich angesehen hat, es auch ist.

Das sind harte Zeiten für alle Hundeliebhaber. Das möchten wir an dieser Stelle eher betonen als es untergehen zu lassen. Aber da muss man durch, wenn man nicht alle halbe Jahre renovieren und die Möbel austauschen möchte. Meist ist die Zeit auch schnell vorbei, denn der Hund ist ja von Natur aus ein schlaues Tierchen und versteht schnell, was Sache ist. Also setzt euch durch. Ihr entscheidet ab jetzt, wann er welches Spielzeug haben darf und wie lange. Und ihr schickt ihn so lange vom Sofa herunter, bis er verstanden hat, dass er nur nach eurer Aufforderung darauf Platz nehmen kann. Gut ist es auch, wenn ihr zusätzlich diesen kleinen Machtkampf über das Futter unterstützt. Er bekommt also das Futter nicht wie gewohnt zu festen Zeiten im Napf serviert, sondern direkt von euch gereicht – und das am besten mehrmals am Tag zu unterschiedlichen Zeiten.

Ja, das hört sich alles nicht nur nervig an, sondern ist es tatsächlich. Aber all das verdeutlicht dem Hund, dass nicht er der Herr/die Dame des Hauses ist und akzeptieren muss, dass er darin nicht einfach tun kann, was er möchte. Hat er das begriffen, wird er auch euer Zuhause nicht mehr markieren – denn ein fremdes Revier zu markieren ist unhöflich, gerade wenn es innerhalb seines Rudels ist, wird er sich als zweite Geige so etwas nicht heraus nehmen.

Markieren kann aber auch andere Ursachen haben

Hätte jedes Markieren gesundheitliche Ursachen oder würde mit dem Dominanzgehabe des Hundes zusammen hängen, wäre eine Lösung ja meist schnell da. Aber natürlich hat es hier und da auch andere Ursachen, wenn der Hund mit Vorliebe die Vorhänge oder die Bettwäsche mit seinem Duft veredelt. Wir sprechen da aus Erfahrung, denn wir haben es mit unserem Redaktions-Hund Devil selbst erlebt. Gesundheitlich war alles okay, Dominanz schied auch schnell aus und so standen wir vor einem großen Fragezeichen. Und das wurde immer größer, bis wir die Zusammenhänge verstanden.

Unser kleiner Devil war im Alter von etwa 1,5 Jahren und sabberte jede Hündin zugrunde, die nicht bei Drei auf den Bäumen war. Dieser kleine Kerl, der schlecht fraß, schon fast zu dünn war und im Alltag recht unkompliziert war, drehte total ab, wenn er Hündinnen sah. Diese brauchten nicht mal läufig sein – unser Devil versuchte sie immer und überall zu bezirzen und sabberte dabei wie eine ausgewachsene Dogge. Ein Gespräch mit dem Tierarzt zeigte dann schnell, dass wir hier einen Fall von Hypersexualität hatten. Und tatsächlich fing der Hund kurze Zeit darauf auch damit an, bei seinen Kuscheltieren aufzureiten. Das ging soweit, dass wir ihm alle wegnehmen mussten, da er sonst nichts anderes mehr getan hätte.

Markieren kann auch aus übersteigertem Sexualtrieb entstehen. Und auf Freiers Füßen ist kein Hund zu haltenSpaziergänge wurden zur Qual, denn er markierte jeden Meter und nahm er irgendwo den Geruch einer Hündin auf, zog er stark an der Leine und war kaum zu beruhigen. Freilauf ging in der Zeit auch nicht mehr, denn nachdem ich ihm ein paar Mal über Felder hinterher jagen musste, weil er eine seiner Freundinnen in der Ferne wahrgenommen hatte und gar nicht anders konnte, also sofort zu ihr zu eilen und seine Liebe zu gestehen, musste er halt an der Leine bleiben. Lange Rede, kurzer Sinn: Bei uns ging es nicht ohne Kastration. Auch wenn wir das eigentlich nicht für unseren Kleinen vorgesehen hatten, musste es sein. Schon wenige Wochen nach dem kleinen Eingriff hörten die Probleme dann auf und erst jetzt fiel uns so richtig auf, unter welchem Stress er vorher stand.

Du siehst, das Markieren im Haus ist nicht nur unangenehm, sondern kann mitunter eine richtig anstrengende Aufgabe für uns Hundehalter werden. Wenn gesundheitlich alles in Ordnung ist, muss man das Gesamtkunstwerk Hund genau betrachten, sein Verhalten beobachten und daraus dann seine Schlüsse stehen. Ist es Dominanz oder ein übersteigerter Sexual-Trieb, der zu dieser unschönen Angewohnheit führt? Nur wenn man das weiß, kann man auch erfolgreich etwas dagegen tun. In beiden Fällen wird es für den Hund auch eine Erleichterung sein, wenn der aus dem Verhalten heraus geholt wird. Auch wenn wir es kaum glauben, ist es doch auch für dominante Hunde sehr anstrengend, wenn sie ständig denken, uns führen zu müssen.

Hat Dein Hund schon einmal im Haus markiert? Welche Gründe lagen dafür vor und wie hast Du es in den Griff bekommen? Schreib uns in den Kommentaren von Deinen Erfahrungen!

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  • Kristina Ziemer-Falke, Jörg Ziemer
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Letzte Aktualisierung am 21.06.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bildcredits: Titelbild von Morkin, Bild1 von lizzyliz, Bild2 von ronjo, Bild3 von sipa

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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4 Kommentare

  1. Ein interessanter Artikel. Nur, bei meinem Hund treffen die Gründe alle nicht zu. Er ist kastriert und gesund.
    Mein großes Problem ist, dass er nur im Haus meiner Tochter markiert. Zu Hause, oder bei Freunden, ist alles in Ordnung. Meine Tochter hat eine sehr alte Hündin, die sich für meinen Hund nicht interessiert, sie ignorieren sich gegenseitig. Möglich wäre eine Eifersucht auf die Enkelchen, obwohl er Kinder liebt. Sind die Kinder allerdings bei mir zu Besuch, habe ich kein Problem mit meinem Hund. Inzwischen bin ich so frustriert, dass ich ihn lieber in die Hundepension gebe, statt ihn mit zunehmen.

    • Hallo Roswitha, ja, manchmal ist man mit seinem Latein leider am Ende und weiß nicht, woher ein bestimmtes Verhalten kommt oder wie man es vermeiden kann. Habt ihr da vllt. die Möglichkeit, mal einen Trainer mit dazu kommen zu lassen? Der kann eventuell am Umgang der beiden Hunde einiges erkennen und dann auch Tipps geben. Wäre ja schade, wenn Dein Liebling deswegen immer nicht mit dürfte.

  2. Hallo zusammen. Wir haben seit 3 Wochen einen Hund aufgenommen. Er ist ein 1,5 Jahre alter chiwawa pekinesen Mix. Er ist soweit sehr lieb, beim spazieren gehen sehr hektisch wenn er andere Hunde sieht egal ob Rüdesheim oder Hündin. Lässt mal ihn zu den Hunden schnüffelt er wild und weisst die Hunde dann zurecht Abstand zu halten. Eter lautstark als aggressiv. Er kennt wohl keine Kommandos wo wir gerade dabei sind zu üben. Am ersten Tag hat er im gesamten Haus markiert. Das nahm dann ab. Aber es kommt immer noch vor das er markiert. Nicht täglich aber das Thema ist noch nicht abgeschlossen. Ich hoffe wir bekommen das hin denn ja, der erste Teppich musste schon beerdigt werden. LG

    • Hallo Mia, erst einmal Glückwunsch zum Familienzuwachs! Ich denke, da spielt jetzt beim Hund auch eine Menge Aufregung mit rein. Er muss euch und das neue Zuhause sowie alle Abläufe kennenlernen. Ich bin mir sicher, dass bekommt ihr mit etwas Zeit und Geduld sicher bestens hin. Weiß man etwas über seine Vergangenheit? Das ist ja auch oft ein wichtiger Faktor.

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