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Rückruf trainieren – worauf kommt es an?

Eine der größten Herausforderung in der Erziehung des Hundes ist und bleibt der Rückruf. Viele Hunde leiden anscheinend unter plötzlich auftauchender Taubheit, wenn Herrchen oder Frauchen sie aus dem Unterholz oder dem lecker riechenden Pferdeapfel weg holen möchten. Da kann noch so laut und bestimmt gerufen werden – der Hund zuckt nicht mal mit der Wimper und vom einem erfolgreichen Rückruf ist man meilenweit entfernt. Doch warum stellt gerade dieser Teil der Erziehung so ein großes Problem bei vielen Mensch-Hund-Teams dar?

Hand aufs Herz: Wenn Du Deinen Hund im Wald oder auf der Wiese zehnmal rufst… wie oft kommt er sofort zu Dir zurück? Ich habe mir die Frage auch gerade gestellt, davon ausgehend, dass bei den zehn Rufen mal mehr oder weniger Spannendes die Aufmerksamkeit des Hunds geweckt hat, ist das Ergebnis für mich zufriedenstellend. Fünfmal würde er beim ersten Ruf kommen, viermal beim zweiten oder dritten Ruf und einmal wäre wahrscheinlich ein schärferer Ton notwendig oder ich müsste ihn einsammeln. Für jeden mag das Ergebnis nicht passen, für mich ist es jedoch okay und in den letzten sieben Jahren sind wir damit gut gefahren. Sollte Gefahr in Verzug sein (Auto auf Feldweg oder ähnliches), nimmt unser Hund eh über unsere Stimmen wahr, dass der Rückruf an dieser Stelle sehr wichtig ist und folgt sofort.

Wo liegt das Problem beim Rückruf

RückrufEs ist natürlich kein Zufall, dass ich heute über den Rückruf schreibe. Vielmehr ist ein Hundekumpel von unserem Devil der Grund dafür. Vor ein paar Monaten kam dieser im Alter von sieben Jahren zu seinen jetzigen Besitzern, nachdem sein Frauchen verstorben war. Der Kleine ist lieb, aufgeweckt, neugierig und wirklich ein toller Kumpel für Devil. Und es dauerte nur wenige Wochen, bis sein neues Frauchen ihn von der Leine ließ, so dass unsere Hunde auch gemeinsam laufen konnten. Und da zeigte sich dann schnell: Der Kleine findet seine Umgebung extrem spannend, viel spannender als sein Frauchen, die oftmals vergebens nach ihm rufen muss. Der Rückruf funktioniert nur selten und hier und da gab es schon brenzlige Situationen, wo ich selbst kurz nach Luft schnappte.

Warum funktioniert der Rückruf hier aber nicht, obwohl Frauchen und Hund in der wenigen Zeit schon eine tolle Bindung aufgebaut haben? Meine Annahme hab ich gerade schon beschrieben. Frauchen ist einfach nicht so spannend wie die Gerüche, andere Hunde oder auch neue Menschen. Sie ruft einmal, zweimal, dreimal und mit jedem Mal wird der Ton lauter und schärfer. Aber doch nie so, dass er den Hund wirklich erreicht.

Dann kommt der Part, wo Frauchen dem Hund hinterher geht und der es als Aufforderung zum Fangen spielen ansieht. Aus dem Rückruf wird dann eine fürs Frauchen frustrierende Situation, die mehrere Minuten dauert und aus der meist der Hund als Gewinner hervorgeht. Und wirklich verübeln kann man es ihm auch nicht, denn würde er dem Rückruf folgen, passiert nichts. Man geht einfach weiter, es gibt keine Belohnung, keinen zusätzlichen Spaß oder ähnliches. Er gibt dann eine spannende Situation für langweiliges Weitergehen auf. Nicht gerade eine positive Verknüpfung, die da entsteht.

Worauf kommt es beim Rückruf an?

Aus meiner Erfahrung liegt die Voraussetzung für einen erfolgreichen Rückruf wirklich darin, immer die spannendste Option für den Hund zu sein. Und das liest und hört man auch von vielen Hundetrainern. Sieht der Hund keinen Vorteil darin, dem Rückruf zu folgen, wird er es nur selten tun. Ich muss meinem Hund alsoRückruf etwas bieten, ihn animieren und ganz klar zeigen: Wo ich bin, ist Party! Trainiere ich also den Rückruf, sollte es anfangs wirklich Belohnungen und Spaß hageln, so dass der Hund ganz außer sich ist vor Freude. Dann, und nur dann, entsteht die Verknüpfung: Wenn Frauchen oder Herrchen mich rufen, muss ich mich echt beeilen, denn dann gibt es Leckerlies/ein tolles Spiel/Streicheleinheiten bis zum Umfallen! Und das ist natürlich toll für jeden Hund.

Folgt der Hund dem Rückruf, wird dann aber angeleint, vom Spannenden weg geführt und muss folgsam und ohne weitere Action an der Leine nach Hause laufen, ist das alles andere als toll. Selbst Hunde, die nichts mehr wollen, als ihren Menschen zu gefallen, werden unter diesen Voraussetzungen nicht sehr häufig auf den Rückruf reagieren. Die Belohnung, die das Nachgehen ihrer derzeitigen Tätigkeit (Schnüffeln, im Dreck wälzen, Vögel hinterher jagen etc.) in dem Moment auslöst, ist einfach zu groß. Weiß der Hund, dass der Mensch nichts Besseres zu bieten hat, ignoriert er jedes Rufen.

Wie trainiert man den Rückruf am besten?

Wie so häufig bei der Hundeerziehung, ist auch beim Training für den Rückruf vor allem Geduld gefragt. Ideal ist, wenn man es schon im Welpenalter beginnen kann – aber auch ältere Hunde können den Rückruf noch lernen.

Unsere Tipps für ein erfolgreiches Rückruf-Training:

  • Ein Wort festlegen, dass immer für den Rückruf gilt („Hier“, „Komm“ oder „Zu mir“ eignen sich beispielsweise)
  • Das Training Zuhause beginnen, erst wenn es da klappt, nach draußen gehen
  • Hilfsmittel wie Schleppleinen etc. nutzen, damit der Hund nicht entwischen kann
  • Anfangs wirklich nur dann rufen, wenn sicher ist, dass der Hund zurückkommt, die Ablenkung also nicht zu groß ist
  • Gern ein Rennspiel daraus machen, wenn der Hund Spaß daran hat
  • Riesen-Party machen, wenn der Hund auf Rückruf gleich reagiert
  • Den Rückruf einladend gestalten. In die Hocke gehen ist z. B. immer gut
  • Nicht schimpfen, wenn der Hund nicht reagiert – lieber umdrehen und weggehen (wenn Schleppleine dabei oder das Trainingsgebiet ausbruchssicher ist)
  • Grundsätzlich zwischendurch immer Kontakt mit dem Hund aufnehmen
  • Nicht auf jeden Rückruf das Anleinen folgen lassen
  • Nie ganz mit dem Training aufhören und auch immer mal wieder belohnen – das frischt die Erinnerung beim Hund auf

Wie hast Du mit Deinem Hund den Rückruf trainiert und klappt es immer? Schreib uns einen Kommentar!

Kommt nicht, gibts nicht: So klappt der Rückruf bei jedem Hund(*)
  • Claudia Toll
  • Herausgeber: Franckh Kosmos Verlag
  • Auflage Nr. 1 (14.07.2016)
  • Taschenbuch: 112 Seiten

Letzte Aktualisierung am 23.10.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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