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Schmerzen beim Hund – wie kann ich sie erkennen?

Ich kann mich noch erinnern, als wir bei unserem Devil zum ersten Mal mit Schmerzen konfrontiert waren. Er war wohl ca. 1,5 Jahre alt und wir hatten uns zum Nachmittagsspaziergang mit Bekannten und deren Hund getroffen. Die beiden Vierbeiner tollten natürlich kräftig herum und kaum waren wir zu Hause, fiel der Hund müde in sein Körbchen. Am Abend kam er dann wieder heraus und war völlig verändert. Sein Rücken war gekrümmt wie bei einem Buckel, der Schwanz weit zwischen den Hinterbeinen eingezogen und er hatte den Kopf gesenkt und schaute uns von unten mit weit aufgerissen Augen an. Wir wussten mit diesem Verhalten in dem Moment gar nichts anzufangen, nachdem er dann aber beim Gehen etwas humpelte war klar: Devil hat Schmerzen.

Dass Hunde Schmerzen zeigen, ist alles andere als selbstverständlich und wir können froh sein, dass Devil sie uns so deutlich gezeigt hat. So konnten wir schnell handeln, wir schonten ihn und am nächsten Tag ging’s ihm wieder gut. Er hatte sich wohl nur vertreten oder vielleicht auch so etwas wie Muskelkater. Natürlich erkannten wir es damals nicht sofort, was Sache war, denn es war das erste Mal, dass Devil Schmerzen hatte bzw. zeigte. Und auch bis heute ist es nicht immer leicht zu erkennen, ob Devil Schmerzen hat. Meist ist es eher ein Gefühl, eine Art Intuition, die uns das verrät. Denn der Hund zeigt es einfach nicht immer.

Warum erkennen wir Schmerzen beim Hund selten?

Schmerzen beim HundWir alle möchten das Beste für unsere Tiere und natürlich möchten wir ihnen helfen, wenn es ihnen nicht gut geht. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es meist so aus, dass unsere Hunde alles versuchen, um ihre Schmerzen zu verstecken und sich nichts anmerken zu lassen. Auch wenn sie teilweise sehr wehleidig tun, so können wir doch oft davon ausgehen, dass sie keinen Mucks von sich geben, wenn sie echte Schmerzen haben.

Lange Zeit dachte man, dass Hunde ein anderes Schmerzempfinden als wir Menschen haben. Man ging davon aus, dass sie Schmerzen nicht so intensiv fühlten. Grund für die Annahme war, dass die Hunde nur selten zeigten, wenn es ihnen schlecht ging. Heute weiß man, dass das Schmerzempfinden dem unseren sehr ähnlich ist, der Hund aber sein Leiden versteckt. Und für unsere Hunde müssen die Schmerzen noch viel schlimmer sein als bei uns, denn wir können uns oft selbst helfen, wissen wo die Schmerzen herkommen. Diese Möglichkeiten hat der Hund nicht.

Dass der Hund die Schmerzen nicht zeigt, liegt in seinen Genen. Hätte er früher in freier Wildbahn Schmerzen gezeigt, hätte er sich noch zusätzlich angreifbar gemacht. Er hätte Schwäche gezeigt und damit das Signal gegeben, dass er hilflos ist. Wollte er überlegen, musst er also die Schmerzen überspielen. Deshalb sind bis heute Schmerzen beim Hund schwer zu erkennen.

Woran lassen sich Schmerzen beim Hund erkennen?

Natürlich gibt es aber auch einige Hinweise, die der Hund uns gibt, wenn er Schmerzen hat. Nicht jeder Hund verhält sich da gleich, aber grundsätzlich können wir einige Dinge feststellen, wenn wir den Hund, den wir ja so gut kennen, ein wenig beobachten.

Häufige Anzeichen für Schmerzen:

  • Rückzug! Der Hund zieht sich an einen ruhigen Ort zurück schlecht und nimmt nicht richtig am Familienleben teil
  • Fressen verweigern! Ein Hund, dem es schlecht geht, wird nicht gern etwas fressen wollen – da sind Hunde uns sehr ähnlich
  • Intensives Lecken! Leckt ein Hund intensiv an immer derselben Stelle und lässt sich absolut nicht davon ablenken, ist das ein sicheres Zeichen, dass dort etwas nicht stimmt.
  • Hecheln! Die letzten Bewegungen sind lange vorbei und der Hund hechelt stark? Das kann ein Symptom für Stress sein und ist nichts da, was ihn stressen könnte, kann es auch auf Schmerz hindeuten
  • Aggressivität! Dein Hund knurrt Dich an oder schnappt sogar plötzlich nach Dir, wenn Du ihn anfassen willst? Auch das ist oft ein Zeichen für Schmerz!
  • Scheu! Anders herum ist auch Scheu ein häufiges Zeichen. So wie Devil sich bei unserem Beispiel am Anfang rund machte und ein extrem unterwürfiges Verhalten zeigte, war daraus Scheu zu erkennen.

Du siehst, es gibt viele Arten, wie wir Schmerzen beim Hund erkennen können und trotzdem ist es bei jedem Hund wieder anders.

Was tun bei Schmerzen beim Hund?

Nachdem wir wissen, das Schmerzen beim Hund da sind, muss natürlich gehandelt werden. Vielleicht lassen sich die Schmerzen lokalisieren, wie beispielsweise bei einem Humpeln. Dann empfiehlt es sich, das jeweilige Pfötchen bzw. Bein genauer anzuschauen. Hat sich der Hund was eingetreten oder ähnliches? Ist es eine Kleinigkeit, lässt es sich vielleicht mit der Hausapotheke selbst verarzten. Erkennt man nichts und das Humpeln bessert sich nicSchmerzen beim Hundht, ist der Besuch beim Tierarzt anzuraten.

Und so ist es auch bei vielen anderen Arten von Schmerzen. Wissen wir, woher sie rühren, können wir hin und wieder selbst helfen. Oftmals ist es aber wirklich die beste Idee, wenn man nicht selbst zu viel herum probiert, sondern lieber den Tierarzt besucht oder zumindest anruft, um die Dinge abzuklären. Wir haben beispielsweise einen tollen Tierarzt, der rund um die Uhr telefonisch erreichbar ist und der uns schon ab und an am Abend telefonisch beruhigen konnte, wenn wir mal wieder Angst hatten, dass Devil sich vielleicht stark verletzt hat oder krank ist.

Wichtig ist also vor allem, dass man Schmerzen beim Hund ernst nimmt und ihm dann auch zeigt, dass man für ihn da ist. Bleibt man selbst ruhig und strahlt diese Ruhe auch aus, kann auch der Hund einfacher entspannen und gibt es dann noch liebevolle Worte und lässt man ihm Platz zum Rückzug (wenn er diesen wünscht), tut man schon sehr viel. Auf der anderen Seite macht man auch gern mal eine Stunde Pause und legt sich aufs Sofa, damit der kranke Hund mit einem Kuscheln kann. So lange die Initiative vom Hund ausgeht, darf man gern den Dingen nachgehen und dem vierbeinigen Liebling zeigen, dass man für ihn da ist.

Bildcredits: Titelbild von Pexels, Bild1 von 134213, Bild2 von PublicDomainPictures

Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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2 Kommentare

  1. Toller Blogpost! 🙂
    Amy hat ja auch schon sehr früh sehr starke Schmerzen bekommen. In der Hüfte und im Rücken. Immer wenn wir in der Hundeschule waren, oder auch wo anders, hat sie sich sofort zurück gezogen und sich ruhig irgendwo hingelegt. Ich dachte am Anfang immer: „Gut, da habe ich halt einen ruhigen Border :D“
    Da sie aber schon von Anfang an komisch gelaufen sind, haben wir sie irgendwann ein zweites Mal röntgen lassen. Im narkotisiertem Zustand sind sie super, nur so, sind sie viiiiiel zu locker und das hat ihr halt Schmerzen bereitet. Eine Woche später hat sie auch schon Goldimplantate eingesetzt bekommen und ich muss sagen, schon kurze Zeit später sah man eine deutliche Veränderung! Amy ist zum richtigen Border geworden kann man sagen! *lach* Es war so schön zu sehen, dass sie endlich schmerzfrei laufen konnte. <3
    Ganz Liebe Grüße von Pia mit Amy und Tobi

    • Oha, dann ist deine Amy ja auch eine richtige Künstlerin im Schmerzen verstecken. Zum Glück konnte ihr dann doch noch schnell geholfen werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass unsere Süßen etwas offener werden und uns schnell genug zeigen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

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