Stress bei Hunden - ein ernst zu nehmendes Problem
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Stress bei Hunden – ein ernst zu nehmendes Problem

Stress bei Hunden wird zu einem immer größeren Problem. Zum einen deshalb, weil Menschen oftmals die Stress-Auslöser und -Situationen falsch einschätzen und zum anderen, weil wir falsch auf diese Situationen reagieren. Das tun wir natürlich nicht absichtlich, aber wenn wir eine Situation falsch einschätzen, können wir gar nicht richtig reagieren. Und darüber hinaus predigen leider immer noch viele Hundeschulen: „Da muss der Hund selbst mit fertig werden – wenn Du ihm jetzt Aufmerksamkeit schenkst, verstärkst Du die Angst“.

Wir kennen es von uns selbst: Stress ist richtig, richtig unangenehm und setzt uns erheblich unter Druck. Vernünftiges Denken und Verhalten sind dann beinahe unmöglich, man ist von den Stresshormonen getrieben und kann nur irgendwie probieren, aus der Stress-Situation heraus zu kommen. Genauso ergeht es auch unseren Hunden. Dabei sind die Stresshormone selbst eigentlich sehr nützlich. Sie sorgen dafür, dass der Körper leistungsfähig ist. In Stressituationen werden Hunde (und auch wir) jedoch von Stresshormonen regelrecht überschüttet und rationale Entscheidungen sind dann nicht mehr möglich. Die Angst regiert dann und die ist, wie wir alle wissen, ein mächtiger, wenn auch nicht immer guter Berater.

Wann entsteht Stress bei Hunden?

Stress bei Hunden ist für uns Menschen nicht immer gleich zu erkennenStress-Auslöser können sehr vielfältig sein. Zuerst einmal muss zwischen positiven und negativen Stress-Auslösern unterschieden werden. So entsteht Stress bei Hunden beispielsweise auch dann, wenn die Aufregung durch Glück hervorgerufen wird. Das kennen wir alle aus verschiedenen Situationen, z. B. wenn wir nach Hause kommen und der Hund uns überschwenglich begrüßt oder auch wenn der Hund andere Menschen oder Hunde trifft, die er sehr mag. Einige Hunde sind da recht souverän, zeigen ihre Freude zwar an, bleiben dabei aber cool. Andere steigern sich mehr in die Freude hinein, sind richtig aufgedreht und nur schwer zu beruhigen. Sie sind also in einer Stress-Situation, aus der sie selbst nur schwer wieder allein heraus kommen.

Gerade bei positiven Stress-Auslösern fällt es uns Menschen oftmals schwer, diese wirklich als solche zu erkennen und dann auch beschwichtigend einzugreifen. Wenn der Hund sich so freut, wenn wir nach Hause kommen, ist das doch schön, oder? Ja, grundsätzlich ist es das. Doch wenn der Hund sich so sehr freut, dass er stark hechelt, mehrere Minuten wild um uns herum springt und sich kaum bändigen lässt, ist es ganz einfach Stress für ihn und somit nicht gesund. Dann ist Training angesagt, mit dem man den Hund aus dem Stress heraus holt und eine Alternative zur bisherigen Verhaltensweise bietet.

Viel häufiger als die positiven Stress-Auslöser sind natürlich die negativen. Stress bei Hunden tritt ja meist in Situationen auf, in denen sie etwas schlechtes erleben, Angst haben oder sich einfach überfordert fühlen. Kommt es zu Beissereien mit anderen Hunden, erschreckt sich der Hund bei einem Geräusch oder ist beim Training schlicht überfordert, kann das alles zum Stress-Auslöser werden. Es kann aber auch sein, dass der Stress nicht auf die Situation an sich übertragen wird, sondern auf ein für uns eher unbedeutendes Detail. Wie das aussehen kann? Hier ein Beispiel:

Stress bei Hunden kann sich auch durch aggressives Verhalten zeigenUnser Hund Devil ist immer und überall freundlich auf Menschen zugegangen, hat sich sehr gefreut, sie zu sehen. Irgendwann saßen wir mal bei einem Spaziergang auf einer Bank, genossen die Sonne und freuten uns über den herrlichen Tag. Devil saß auf meinem Schoß und tat es uns gleich. Als andere Spaziergänger kamen, mutierte mein süßer Schoßhund auf einmal zur Bestie. Er kläffte, fletschte die Zähne, war kaum noch zu halten. Wir waren vollkommen verwirrt. Was war da passiert? Nach kurzer Beratung beschlossen wir, es erst einmal als Zufall abzutun. Vielleicht waren die Menschen Devil einfach unsympathisch? Tja, das war nicht der Fall. Vielmehr wiederholte sich das Verhalten immer öfter. Gingen wir an Menschen vorbei, war alles okay. Saßen wir irgendwo und Menschen gingen vorbei, wurde der Kleine zum Höllenhund.

Ich kann gar nicht sagen, wie viele Trainingsmethoden wir durchprobierten – nichts half. Wir informierten uns, versuchten den Auslöser für dieses Verhalten zu finden, sprachen mit verschiedenen Trainern und es blieb nur folgende Annahme übrig: Irgendwann einmal, als wir gemeinsam auf der Bank saßen und den Tag genossen, hat Devil sich durch irgendetwas erschreckt. Er ist ein ziemlich sensibler Hund, es kann also schon ein leiser Knall gewesen sein oder vielleicht hat ihn irgendwas kurz und leicht gezwickt. In genau diesem Moment muss wohl auch noch ein Spaziergänger vorbei gegangen sein. Devil hatte also Stress, bezog diesen aber nicht auf den eigentlichen Stress-Auslöser, sondern auf den Spaziergänger. Folglich spulte er seine Stress-Reaktion (lautes Bellen, Knurren etc.) immer dann ab, wenn wir wieder saßen und ein Spaziergänger vorbei kam.

Dieses Beispiel zeigt, wie schwer es teilweise ist, den Stress-Auslöser zu identifizieren und dann dementsprechend dagegen zu wirken. Wir befinden uns hier auch noch immer im Training und es geht nur sehr langsam voran. Die meist nicht sehr positiven Reaktionen von Spaziergängern auf unser kläffendes Tier machen es nicht einfacher und da manche Hundehalter meinen, sie müssen uns in solchen Situationen noch mit ihren Hunden nahe kommen, übertrug sich das Stress-Verhalten dann auch auf Hunde und wir hatten einen weiteren Trainingspunkt auf unserer Liste.

Wie zeigt sich Stress bei Hunden?

Beschwichtigungssignale sind häufig bei Stress bei Hunden zu erkennenSo vielfältig wie auch die Stress-Auslöser, können auch die Stress-Symptome sein. Sehr häufig zeigt sich Stress bei Hunden durch ein starkes Hecheln. Auch fangen viele Hunde dann an zu sabbern oder man kann ihnen an ihren großen, geweiteten Augen ansehen, dass sie Stress haben. Gehen Stress und Angst Hand in Hand, können eine eingezogene Rute, eine geduckte Haltung und ein gesenkter Blick auf Stress hinweisen. Der Hund versucht oftmals, dem Stress durch Beschwichtigungssignale ein Ende zu bereiten.

Aber nicht nur die bekannten Signale zeigen Stress an. Auch Zwangshandlungen weisen darauf hin. Rennt ein Hund beispielsweise bei bestimmten Situationen immer wie verrückt im Kreis herum, versucht seine Rute zu fangen etc., dient ihm das als Versuch zur Beruhigung und kann bis hin zu einer Verhaltensstörung führen. Auch aufgeregtes Bellen, Aggressivität und ähnliche Verhalten können, wie in unserem Beispiel, den Stress anzeigen, dem der Hund gerade ausgesetzt ist. Da ist für uns Menschen eine besonders aufmerksame Beobachtung angesagt – denn hier gilt es beispielsweise Aggressivität von Stress zu unterscheiden, um dann auch richtig reagieren zu können.

Der Stress bei Hunden zeigt sich also auf vielfältige Arten und wird daher nicht immer von uns erkannt. Verhält sich der Hund in bestimmten Situationen komisch, aggressiv oder besonders ängstlich, ist also genaues Hinschauen wichtig. Und findet man selbst nicht heraus, was da gerade im Hund vor sich geht (und das passiert selbst erfahrenen Hundehaltern), ist ein Gespräch mit einem guten Trainer immer hilfreich!

Hat Dein Hund auch Situationen, in denen der Stress Herr über sein Handeln ist? Wie zeigt sich das und wie hilfst Du ihm? Wir freuen uns darauf, Deine Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen.

Stress bei Hunden(*)
  • Martina Nagel, Clarissa von Reinhardt
  • Herausgeber: animal learn
  • Auflage Nr. 2 (01.03.2003)
  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.06.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bildcredits: Titelbild von Nikiko, Bild1 von JanDix, Bild2 von AdinaVoicu, Bild3 von Huskyherz

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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3 Kommentare

  1. Bella steigert(e) sich gerne in Begrüßungsstress hinein. Zuhause haben wir das noch nicht so gut im Griff, arbeiten aber daran. Draußen, bei fremden Menschen, wollte sie vor einiger Zeit noch jeden kennen lernen und hat sich dann regelrecht in ihre Freude hinein gesteigert, wenn sie jemandem Hallo sagen durfte oder auch bloß wollte. Durch das Kommando „Nicht Hallo sagen“ haben wir diese Wuseligkeit draußen so weit in den Griff bekommen, dass sie nicht mehr jedem Hallo sagen darf und will. Auf das Kommando „Nicht Hallo sagen“ setzt Bella sich, wenn sie besonders interessiert an jemandem ist, hin und schaut mich (wenn die Erregungslage nicht viel zu hoch ist; falls ja, „darf“ sie den Menschen bzw. die Menschen beobachten) im Idealfall an. Ist sie weniger interessiert, schafft sie es, bei dem Kommando weiter zu laufen und mich dabei anzusehen.

  2. Hallo ich habe einen Parson Russel Terrierrüden. Namens Guinness wir haben ihn mit 8 Wochen bekommen ganz klassisch vom Züchter. Erst war alles gut. Dann kam Guinness schon mit 5 Monaten in die Pubertät. Sprich er hat alles gerammelt was 4 oder 2 Beine hatte. Die einen sagten das sei Sexual bedingt die nächsten waren der Meinung das sei Dominanz. Ich dachte eigentlich da ich mit Hunden groß geworden bin, dass ich das packe aber ich war komplett überfordert ! Habe dementsprechend ganz oft falsch reagiert. Dann kam der Zeitpunkt das ich mir Hilfe geholt habe. Diese Hundetrainerin war unsere Rettung mit viel Geduld und Körpersprache haben wir viel erreicht. Guinness wird Ende Mai 2 Jahre alt ist mittlerweile kastriert aber dennoch ist er oft gestresst. Er zeigt das durch häufiges Gähnen und jaulen. Aber ich bekomme es hin und er selbst auch das er den Stress dann recht schnell im wahrsten Sinne abschüttelt. Wir müssen noch viel lernen und ich bin guter Dinge aber es ist oft anstrengend. Was ich mir ebenfalls angewöhnt habe bevor ich ihm alleine Versuch ich mich frei zu machen mich zu entspannen u d auch bei schwierigen Situationen ganz ruhig zu bleiben. Es überträgt sich auf den Hund. Ich wünsche viel Erfolg LG

    • Hallo Nadja, toll, dass du dir die Zeit nimmst, mit deinem Hund so intensiv zu arbeiten. Ein schöner Nebeneffekt ist dabei ja auch, das man ein noch viel besseres Team wird. Guiness hat da wirklich ein ganz tolles Frauchen erwischt! Viel Spaß und Geduld weiterhin auf eurem Weg!

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