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Können Hunde süchtig sein?

Ob Nikotin, Koffein oder anderes – wir Menschen rutschen leicht ins Suchtverhalten und finden das bei einigen Sachen auch ganz normal, während es bei bestimmten Süchten auch als Krankheit anerkannt wird. Manchmal sind wir uns sogar gar nicht wirklich darüber bewusst, dass wir die Grenze der Gewohnheit überschritten haben und schon in der Sucht sind. Und noch öfter sind wir uns nicht darüber bewusst, wenn unsere Hunde einer Sucht verfallen sind. Wir legen sie dann gern als normalen Spieltrieb oder ähnlich harmloses aus und verkennen die potentielle Gefahr.

Können Hunde wirklich süchtig werden? Diese Frage haben wir uns eigentlich nie gestellt, bis wir irgendwo in einer Hundesendung mal einen Beitrag über einen extremen Balljunkie gesehen haben. Mit Spiel hatte das Verhalten, das dort zu beobachten war, nichts mehr zu tun. Es war erschreckend zu sehen, wie sich der Hund veränderte, sobald er einen Ball in seiner Nähe wusste. Und noch schlimmer war es mit anzuschauen, wenn man ihm diesen Ball abnehmen wollte. Was sich da zeigte, war wirklich das Verhalten eines Junkies und endete nicht selten in Aggressivität, wenn der Ball verwehrt wurde. Ab da zweifelten wir nicht mehr daran, dass Hunde süchtig sein können.

Suchtverhalten beim Hund erkennen

SuchtverhaltenDie wohl häufigste Sucht beim Hund ist die nach dem Ballspiel. Vielleicht hast Du auch einen Vierbeiner zu Hause, der sich stundenlang mit Bällen beschäftigen lässt. Wir hatten zum Beispiel nicht selten lahme Arme, weil unser Devil einfach nicht genug vom Spiel bekam. Und hätten wir hier und da das Spiel nicht von selbst abgebrochen, wäre Devil dem Ball wohl nachgejagt, bis er irgendwann vor Erschöpfung zusammengebrochen wäre. Dieses Verhalten kennen viele Hundebesitzer von ihren Tieren und es ist auch nicht wirklich besorgniserregend. Schließlich haben wir Menschen ja ein Auge auf unsere Hunde und wissen, wann es reicht. Dann packen wir den Ball weg und alles ist gut.

Von einem Suchtverhalten ist hier also bisher noch nichts zu merken. Und oftmals sind die Unterschiede zwischen normaler Spielfreude und der Sucht nach dem Ball sogar so gering, dass man sie anfangs gar nicht richtig wahrnimmt. Erst mit der Zeit zeigt sich dann, dass es ein Problem gibt. Ein häufiges Anzeichen für die Sucht ist, wenn der Hund sofort in einen ungeheuren Stress verfällt, wenn das Objekt der Begierde zu sehen ist. Klar, auch unser Devil springt freudig durch die Gegend und fordert uns zum Spiel auf, wenn er einen Ball in unserer Hand hält – aber er lässt sich dann noch gut ablenken und somit auch kontrollieren. Bei einem Ball-Junkie ist das nur schwer möglich.

Stress ist also ein Anzeichen fürs Suchtverhalten. Auch wenn der Hund nicht mehr ansprechbar ist oder abgelenkt werden kann, sobald er beispielsweise den Ball nur sieht, ist das eigentliche Spiel schon aus dem Ruder gelaufen. Und kommt es soweit, dass der Hund nichts anderes mehr machen möchte, steckt er mittendrin in der Sucht.

Was tun, wenn der Hund Suchtverhalten zeigt?

SuchtverhaltenIst klar, dass aus dem Spiel eine Sucht geworden ist oder weisen erste Anzeichen darauf hin, dass der Hund sich geradewegs in diese Richtung bewegt, ist unser Eingreifen gefragt. Dann liegt es in unserer Verantwortung, dem Hund aus der Sucht heraus zu helfen und Alternativen aufzuzeigen – ganz ähnlich wie es auch bei Menschen gemacht wird. Viele Hundebesitzer denken, dass sie die Sucht langsam ausschleichen können. Nur noch jeden dritten Tag mit dem Ball zu spielen, ändert jedoch nichts an der Sucht. Ganz im Gegenteil: Mit einem Ausschleichen könnte man den Hund noch auf die Idee bringen, sich Alternativen zu suchen. Statt den Ball nimmt er dann halt Steine, Kastanien oder andere Dinge als Ersatz.

Es hilft also nichts als der kalte Entzug. Bälle und alles, was ihnen ähnlich ist, müssen bei einem Balljunkie aus dem Umfeld verschwinden. Im nächsten Schritt muss vor allem von uns Menschen begriffen werden, dass eigentlich nicht der Ball das Problem bei der Sucht ist – vielmehr ist es der Ablauf des Spiels, also das Hetzen, der Beutefang etc. Das löst den Kick beim Hund aus. Da der Ball das Objekt ist, mit dem dieser Kick erreicht wird, überträgt sich die Sucht zuerst darauf. Bei Härtefällen geht sie später jedoch auf alles, was sich schnell bewegt. Wenn Du Deinem Hund also aus der Sucht helfen möchtest, reicht es nicht, ihm den Ball wegzunehmen und stattdessen den Safestix oder ähnliches zu werfen. Damit machst Du es nicht besser.

Alternativen zur Sucht schaffen

SuchtverhaltenNach dem kalten Entzug bei dem nicht nur die Bälle, sondern auch die Hetz- und Jagdspiele aus dem Alltag verschwinden müssen, beginnt der Aufbau von alternativen Spielen. Unsere Hunde brauchen definitiv Spaß und Beschäftigung – aber eben solche, die sie nicht krank macht oder stresst. Da ist mitunter etwas Kreativität gefragt. Gehen wir vom klassischen Balljunkie aus, sollten Alternativen vor allem so aussehen, dass sie ruhig ausgeführt werden und vielleicht eher den Kopf als den Körper fordern. Fährtensuchen wäre dann eine Möglichkeit oder aber auch andere Spiele, bei denen auf Nasenarbeit gesetzt wird, eignen sich dann gut. Was letztendlich hilft, die Gedanken vom Hund von seiner Sucht abzulenken, muss ausprobiert werden. Und dafür braucht es auch Geduld.

Gleichzeitig muss man als Besitzer eines süchtigen Hundes aber auch im Hinterkopf behalten, dass vielleicht eine grundlegende Veranlagung zum Suchtverhalten besteht. Hat man eine Sucht bekämpft, kann also mit der Alternative schon wieder eine neue entstanden sein. In diesem Fall ist es wichtig, von Anfang an auf Abwechslung zu setzen, so dass der Hund verschiedene Reize empfängt und sich seinen Kick nicht immer bei dem gleichen Spiel holt. Sonst fängt man schnell wieder von vorn an.

Hast Du schon einen Hund mit Suchverhalten kennengelernt? Wir freuen uns auf Deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.

Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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2 Kommentare

  1. Der Hund meiner Nachbarin dreht völlig durch bei Tannenzapfen. Sie schmeißt ihm das Zeug stundenlang. Ich wollte ihr schon öfter sagen dass das eigentlich gar nicht so toll ist, aber ich möchte die Frau auch nicht beleidigen. Was kann man da sagen ohne wie ein besserwisserisches Arschloch zu wirken?
    Immerhin hab ichs schon hinbekommen dass sie den Hund die Dinger nicht mehr auffressen lässt.

    • Oje, das ist natürlich eine schwierige Sache. Die meisten denken ja wirklich, sie tun dem Hund Gutes damit und „spielen“ ja nichts Schlechtes sein kann. Je nachdem, wie offen sie ist und wie eng der Kontakt ist, würde ich es entweder ganz offen sagen und dann auch gleich Alternativen, also beispielsweise Nasenarbeit zeigen. Oder ich würde es immer wieder durch die Blume probieren, also beispielsweise beim Treffen: „Ui, der Hund wirkt aber gestresst, was ist denn passiert?“… Vielleicht fängt dann das Nachdenken mit der Zeit an.
      Für den Hund hoffe ich, dass sie schnell merkt, das gutgemeint nicht auch wirklich immer gut ist.

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