Wie lernen Hunde eigentlich? - dogeridoo

Wie lernen Hunde eigentlich?

Denken wir Menschen an das Lernen, haben wir Schule, Tafeln, Langeweile und ermüdende Vorträge von Lehrern vor Augen. Für die wenigsten von uns ist Lernen mit etwas Positivem, Lustigem verbunden – und daher ist auch die Abneigung dagegen groß. Wenn, dann lernen wir gerne Dinge, indem wir sie tun. Und darin sind wir unseren Hunden ziemlich ähnlich. Ansonsten ist das Lernverhalten der Hunde jedoch doch ganz anders als bei uns. Wobei wir auch bei ihnen daran denken sollten, dass mit Spaß alles ein wenig leichter geht.

‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!‘ Kennt ihr diesen Spruch? Bei uns Menschen bewahrheitet er sich leider immer wieder. Bei Hunden ist das zum Glück anders. Hunde lernen ihr ganzes Leben lang und somit ist auch das Verhalten eines 10-jährigen Hundes noch korrigierbar. Wobei man hier ein wenig differenzieren muss, denn aus einem ängstlichen Hund wird sicher in diesem Alter nicht mehr ein selbstbewusstes Alphatier. Aber der Hund kann in diesem Alter auch immer noch lernen, in Angst-Situationen etwas lockerer zu werden.

Welche Lern-Methoden gibt es bei Hunden

Grundsätzlich lernen Hunde auf drei verschiedene Arten

1. Gedankliche Verknüpfung in Zusammenhang mit Erfolg oder auch Misserfolg
2. Beobachtung
3. Imitation

Gerade die Übergängen von der gedanklichen Verknüpfung und der Beobachtung sind für uns Menschen nicht immer leicht zu erkennen und teilweise sehr fließend. Deshalb beschäftigen wir uns anfangs mit der Imitation – ein Lernverhalten, bei dem wir Menschen nur wenig ausrichten können, denn dabei orientieren sich Hunde an anderen Hunden und passen sich diesen an.

Hunde lernen viel, indem sie ihre Artgenossen imitierenWenn Du mit zwei Hunden Dein Zuhause teilst, hast Du es sicher schon bemerkt: Bestimmte Verhaltensweisen hast Du erst an einem Hund festgestellt, nach einer gewissen Zeit waren sie aber auch beim zweiten zu erkennen. Hier hat sich also einer etwas vom anderen abgeschaut (was nicht immer positiv sein muss). Dieses Lernverhalten durch Imitation ist eine ganz natürliche Sache und wird auch gern gezielt eingesetzt. So schickt ein Schäfer beispielsweise einen Junghund ohne Training zu einem erfahrenen Hund. Der Junghund orientiert sich am Älteren und lernt fast automatisch, was seine Aufgaben sind und wie er diese bewältigen kann. Auch Jäger verfahren oftmals so mit ihren Jagdhunden.

Die Imitation ist also alles andere als selten und kann viele Vorteile mit sich bringen. Wir Menschen brauchen dabei nichts tun. Der Hund, der lernt, wird vom erfahrenen auf natürliche Weise motiviert und auch gemaßregelt, wenn er aus der Reihe tanzt. Und Hunde untereinander regeln das viel besser, als wir Menschen es könnten.

Hunde lernen mit Motivation leichter

Mit der richtigen Motivation und Belohnung macht das Lernen sogar SpaßBeim Thema Motivation können wir auch gleich bleiben, denn sie ist extrem wichtig für das Lernen durch gedankliche Verknüpfungen. Diese Form des Lernens bietet uns Menschen die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Und sie ist auch die Lern-Form, mit der wir wohl am meisten arbeiten, beispielsweise in der Hundeschule oder auch beim Einüben neuer Tricks und ähnlichem.

Bei der gedanklichen Verknüpfung geht es darum, ein gewünschtes Verhalten abrufbar zu machen. Wenn wir also ‚Sitz‘ sagen, möchten wir, dass der Hund sich auf seine vier Buchstaben nieder lässt. Übt man das mit Welpen, nimmt man oft als Motivation ein Leckerlie, führt es über dem Kopf des Hundes nach hinten und bewirkt damit, dass er sich automatisch setzt, um es weiter verfolgen zu können. In diesem Moment belohnen wir ihn mit einem Lob und halt dem Leckerlie. Der Hund lernt dadurch: Wenn ich mich hinsetze ist das toll, denn dafür bekomme ich ein Leckerchen. Und so läuft es mit allem, was wir unseren Hunden beibringen können. Wir motivieren sie, etwas Bestimmtes zu tun und belohnen sie dann dafür (natürlich kann man nicht nur mit Leckerlies belohnen – auch Spiele und andere Dinge, die dem Hund Freude bereiten, eignen sich als Belohnung).

Die gedankliche Verknüpfung ist also super für uns, um unseren Hunden etwas beizubringen. Aber leider funktioniert sie auch ganz ohne uns und sorgt damit dafür, dass Hunde sich selbst etwas ‚beibringen‘. So kann ein Hund beispielsweise immer ohne Angst oder Aggression an der Leine spazieren gehen – bis ihn dann einmal ein anderer Hund angreift und er sich aufgrund der Leine nicht selbst aus der Situation befreien kann. In diesem Moment wird eine negative Verknüpfung hergestellt und der Hund kann zukünftig an der Leine aggressiv auftreten, wenn ihm ein anderer Hund zu nahe kommt. Er hat gelernt: Die Leine sorgt dafür, dass ich mich nicht wehren kann – also vertreibe ich den anderen lieber gleich durch mein Verhalten, bevor ich noch einmal in so eine Situation gerate.

Unterschätze nie die Beobachtungsgabe Deines Hundes

Zusätzlich kann der Hund in einer solchen Situation noch eine ganz andere Erfahrung machen. Ist sein Mensch nach einem solchen Angriff auch verunsichert und wird fortan unruhig, wenn ein anderer Hund auftaucht, spürt der eigene Hund das natürlich. Er deutet unsere Mimik, Gestik und nimmt sogar die Veränderungen unseres Geruchs wahr und kann somit bestens einschätzen, wie wir gerade drauf sind. Sind wir verunsichert, übertragen wir dieses Gefühl auf unseren Hund und er ist bestärkt darin, Radau zu machen. Schließlich will er seinen Menschen vor Unheil bewahren.

Hunde sind Meister im Beobachten und nehmen unsere Stimmung ganz genau wahrIn diesem Fall lernt der Hund durch Beobachtung. Er achtet ganz genau auf seinen Menschen, interpretiert dessen Stimmung, nimmt sie zu einem gewissen Teil selbst auf und handelt dann auch danach. Mit diesem Wissen können wir Menschen wieder positiv auf das Lernverhalten unserer Hunde einwirken, in dem wir unsere Stimmung kontrollieren und somit keine unerwünschten Signale aussenden. Im Fall des entgegen kommenden Hundes sollten wir also nicht hektisch die Leine kürzer nehmen, sie umklammern und uns ausmalen, was alles passieren könnte. Stattdessen sollten wir darauf achten, ganz ruhig und gelassen zu bleiben, weiter zu gehen und dem Hund dadurch zu zeigen: Es ist alles okay, ich hab keine Angst – Du brauchst also auch keine zu haben.

Bis auf die Imitation haben wir Menschen also einen großen Einfluss auf das Lernverhalten unserer Hunde und können gerade über Erfolge und Misserfolge sehr viel steuern, ohne Druck auf den Hund auszuüben oder ihn zu überfordern. Dazu belohnen wir einfach erwünschtes Verhalten und ignorieren unerwünschtes. Erhält der Hund nämlich keine Rückmeldung, zum Beispiel beim Betteln um Essen, ist es für ihn ein Misserfolg und er baut die Verknüpfung auf: Betteln führt nicht zum Erfolg, also bringt es mir nichts.

Das Lernen erfordert natürlich auch bei Hunden seine Zeit und wenn etwas Neues erlernt werden soll, baut man es am besten schrittweise auf und arbeitet mit vielen Wiederholungen, um das Lernziel beim Hund zu verankern. So zeigen sich schnell Erfolge und sorgt man dann noch dafür, dass das Lernen Spaß macht, wird der Hund auch zukünftig wieder gern mitarbeiten. Schließlich hat er dann gelernt: Lernen macht Spaß und bringt mir viel Lob und Belohnungen ein – es ist also etwas Gutes!

Wie gehst Du vor, wenn Du Deinem Hund etwas beibringen willst? Arbeitest Du mit Belohnungen in Form von Leckerlies oder Spielen? Oder hast Du Deine ganz eigene Methode? Wir freuen uns auf Deine Meinung und Erfahrung zum Thema.

Wie Hunde lernen: Mit Extra-Infos für Rettungshunde(*)
  • Katrin Kolbe
  • Herausgeber: Oertel u. Spörer
  • Auflage Nr. 1 (22.03.2016)
  • Gebundene Ausgabe: 162 Seiten

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Über Nicole Rinne

Nicole hat drei Leidenschaften: Hunde, Marketing und das Schreiben. Mit dogeridoo ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn hier passt einfach alles zusammen.Für Spaß, nette Gespräche und ausgiebige Spaziergänge ist sie natürlich auch immer zu haben!

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Ein Kommtentar

  1. Bella lernt als Australian Shepherd am besten, wenn man mit viel Spaß an eine Sache ran geht – sei es das Bei-Fuß-Gehen oder ein Trick, solange man jubelt, ist Bella voll bei der Sache. Wir nutzen neben einer begeisterten Stimmlage und freudigem Jubel [„SEEEHR GUT; FEIIIN GEMACHT; TOOOOOLL!!!] auch einen Clicker und Leckerchen (Trockenfutterbrocken aus ihrer Tagesration) – wobei ich bei Dingen, die Bella schon ganz gut kann, auch immer häufiger auf Streicheleinheiten setze, um sie zu belohnen.

    Ich baue Neues immer so auf, dass ich Bella dann, wenn sie das, was ich von ihr möchte, auch nur ansatzweise richtig macht, mit einem Klick belohne. Mit voranschreitender Zeit steigere ich meine Anforderungen an sie – sie muss es also immer „richtiger“ machen, um eine Belohnung zu bekommen. Um ihr zu zeigen, was ich will, unterstütze ich sie teilweise mit meinen Händen oder locke sie mit einem Leckerchen. Allerdings träume ich davon, das Ganze irgendwann nach dem „Do as I do“-Prinzip machen zu können – also, dass sie mich imitiert. Bedenkt man, dass sie sich momentan manchmal vor mich setzt, den Kiefer bewegt und Geräusche von sich gibt, als würde sie sprechen, möchte man meinen, dass sie mich schon imitiert…

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